Ich hasse Wochenenden, die keine Wochenenden sind

01. Juni 2008 at 23:06:58 (Allgemein)

Als Musikerin hat man häufig eben unter der Woche viel und dann noch am Wochenende. Und wenn dann BEIDE Tage des Wochenendes verplant sind, dann ist das einfach nur noch zum Schreien. -.-

Es war Chortime. Gestern ein großes Waldfest mit acht Chören, heute ein Chorfestival mit zehn Chören…baaaah, man kriegt Kopfschmerzen!

Naja, gestern war es dann doch ganz schön. Ich hatte sowas von überhaupt keine Lust eigentlich. Morgens und mittags brach ein Sturm los, es goss in Strömen und ich dachte schon: yeaiii, es fällt aus!! ^__^ …aber dann meinte die Sonne, mir das nicht ersparen zu wollen und setzte alle Notbatterien in Kraft. Folge: güldener Sonnenschein, Wärme und langsam einsetzende Trockenheit. Mit einem -Gesicht begann ich, meine Hose zu bügeln und die Noten zurecht zu legen. Dann, bei einem Gespräch mit NachtGefluester (er ist auch hier angemeldet, der ein oder andere kennt ihn vielleicht) erfuhr ich, dass er auch dorthin komme, weil er mit einem Chor dort auftreten würde.

Das hob meine Laune dann, ich freute mich, ihn dort mal wieder zu sehen.

Da ich ja ein Last-Minute-Kind bin, war’s am Schluss dann doch mal wieder knapp…ich rutschte schnell noch in meine frisch gebügelte weiße Hose und nach einem kurzen Blick in den Spiegel verließ ich das Haus. Am Auto stolperte ich fast über die Katze (besagte aus oberem Blog), die wohl unter dem Auto gewesen war und maunzend heraus schoss, strauchelte und „fiel“ gegen mein Auto. Da momentan alles blüht, wasche ich den Wagen nicht (er ist am nächsten Tag doch eh wieder voll mit Blütenstaub) und so ist er nicht der sauberste. Erschrocken guckte ich auf die dunklen Schmierstreifen an meiner weißen Hose. Nach hektischem Reingerenne ließ sich feststellen, dass die Hose nicht mehr zu gebrauchen war für den Abend. Fluchend stieg ich in meine schon nicht mehr ganz so saubere, weil schon einen Tag getragene andere weiße Hose und fuhr gereizt los.

Ich hatte vorher noch eine Probe für den Abend angesetzt, weil der Chor in der letzten Zeit sehr viele Auftritte gehabt hatte und wir so nur wenig Möglichkeit zum Proben hatten. Die Leute waren auch alle wirklich pünktlich und sehr willig, alles gut zu machen, was meine Laune schnell hob. Dann fuhren wir in einer Kolonne zum Aufführungsort. Die Sonne hatte sich wirklich in den Kopf gesetzt, uns gnadenlos mit Wärme zu bedienen (wer um Gottes Willen hatte DAS bestellt…) und so wurde mir nach einer Weile schmerzlich bewusst, dass eine fehlende Sonnenbrille durchaus katastrohpal sein konnte.

Der Gastchor, der das Fest ausrichtete, war wirklich gut drauf. Sie hatten eine richtige Bühne aufgebaut (die Techniker waren etwas mit dem Sound überfordert, aber sonst gings), es gab ne Würstchenbude und was zum Trinken…mir begann es, Spaß zu machen. NachtGefluester hatte mich entdeckt, bevor ich ihn gesehen hatte und es gab eine herzliche Begrüßung. Leider konnte ich nicht viel Zeit mit ihm verbringen, da meine Chorsänger ihre Chorleiterin am Tisch haben wollten. Die Nervosität war zu spüren, jetzt, wo es gleich los ging.

Wir waren gleich als zweites dran, was gut war. Danach ließ es sich nämlich entspannt zuhören. Die Chöre waren allesamt recht gut und erfrischend. Einziges Problem halt wirklich die Hitze und die Sonne. Die stach plötzlich, da bei uns momentan ja dauernd Sturmtiefs über das Land heizen und ich hatte wirklich Angst vor einem Sonnenstich. Das änderte sich schlagartig, als NachtGefluesters Chor dran war. So schön sie sangen, die Leute waren doch für ein paar Sekunden abgelenkt. Grund: eine Sturmböe fegte los, Wolken kamen auf…alle ergriff die Panik, dass es gleich wieder losgehe. Gottseidank waren wir dabei nicht laut, so dass es den Chor nicht störte. Trotzdem überlegte jeder fieberhaft eine Strategie, wie am schnellsten Sachen gerettet werden könnten, wenn es losgehe. Nach einer Weile legte sich das aber wieder und die Leute entspannten sich und konnten wieder lauschen.

Insgesamt war der Abend wirklich gelungen und ich war dann doch froh, dort gewesen zu sein.

Ganz anders heute. -.-

Es war ja schon quasi ein Zwang. Der Sängerkreis ist eine Vereinigung aller Chorvereine in meiner Umgebung. Es sind bestimmt 20 Vereine eingetragen. Und dieser Sängerkreis veranstaltet jedes Jahr ein Singen, wo eigentlich alle Vereine verpflichtet sind teilzunehmen, da der Sängerkreis Förderer ist, obwohl keiner Bock hat. Das Schöne ist auch, dass am Anfang wirklich nur die Chöre da sind, die am Anfang singen…die anderen tröpfeln nach und nach ein, ebenso lustlos wie die, die am Anfang da sind. Dafür gehen die dann alsbald wieder.

Naja und wir waren als fünfte dran, mussten also am Anfang schon da sein und hockten mit verzogenen Gesichtern da. Dann gings los und die Vorsitzende hub mit einer Rede an…und dann wagte diese blöde Gans doch, UNS abzukanzeln, dass diese Veranstaltung immer mehr zur Farce mutieren würde, sie das einfach unmöglich fände blablabla! Ich drehte mich daraufhin zu meinem Chor um und fragte: „Wollen wir wieder gehen?“…denn WIR waren ja wohl da…und wurden SO in einer offiziellen Rede empfangen! Unglaublich.

Wir blieben dann doch, allerdings hatte ich eine Idee. Wir hatten drei Lieder im Programm, zwei klassische und ein witziges zum Auflockern…ich nahm das eine klassische aus dem Programm und ließ im Chor verbreiten, dass wir dafür „what a wonderful world“ singen würden. Und als der Programmtypi unsere Reihenfolge vorgelesen hatte, bat ich um das Mikro und kündigte der Halle die Änderung an:
„Das widmen wir dem frustrierten Vorstand. Denn die Welt ist trotz allem doch wirklich wundervoll.“
Daraufhin brach ein Sturm los. Die Leute klatschten wie verrückt und lachten. Hinterher erfuhren wir, dass sich wirklich ALLE über diese Scheiß-Ansprache von der dummen Kuh geärgert hatten. Ich hab selten so eine Courage…aber diese Art war einfach SO unmöglich gewesen, dass es uns irgendwie ein Bedürfnis war, die Stimmung, die vorher absolut am BODEN war, wieder etwas aufzurichten. Und mein Chor sang das Wonderful World mit Inbrunst.

Allerdings ging ich danach. Kann ich mir als Chorleiterin erlauben…^^
Ich überlege, ob ich meinen Chor nicht überrede, nächstes Mal diesem Mist fern zu bleiben.

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