Stromausfall!

29. Juli 2008 at 18:07:23 (Allgemein)

Ohmann.

Kaum wieder daheim, gehts wieder drunter und drüber.

Wir kamen am Freitag Abend spät nach Hause, nachdem wir 12einhalb Stunden im Auto waren – sehr froh, dass wir lebend angekommen waren. Es war viel los auf der Autobahn, einen schweren Unfall hatten wir gesehen…ein Laster hatte sich komplett in einen Wohnwagen gebohrt und das Auto in einen anderen Laster geschoben…die Leute waren auf der Straße, ein Mädchen lag da…sowas ist für mich immer furchtbar und ich bitte dann innerlich, dass alles nur schlimmer aussah, als es war…

Danach war erstmal bedrücktes Schweigen…bis wir in die Nähe vom St. Gotthardtunnel kamen. Stau. Langer Stau. Sehr langer Stau. Sehr sehr….ja? Ihr habts begriffen? Ahso…ok.

Mein Mann:
„Du…lass uns doch den Pass fahren.“
Ich:
(*dran denk, wie kurvig und steil und kalt es das letzte Mal war*)
„Och…du…muss das sein? Find ich eigentlich nicht so gut…wir sind doch nu schon weit.“
„Ich möchte Pass fahren.“
„Ich nicht wirklich.“
„Also fahren wir Pass?“
„Nein?“

…wir fuhren Pass.
Aber zur Rettung meines Mannes lässt sich sagen, dass es traumhaft war diesmal. Es war warm, auch ganz oben noch, es war wunderbares Wetter, gute Sicht und da wir beide durch den Schnupfen Probleme mit den Ohren hatten, fuhren wir langsam, ließen das Fenster offen und ich durfte als Entschädigung rausfotografieren. Juhu!

Hier mal ein paar Ergüsse:

Ansonsten gab es ab und an noch ein wenig stockenden Verkehr und Stau, aber alles in allem ging es.

Am Samstag war die Goldene Hochzeit meiner Schwiegereltern, am Sonntag Taufe meines Patenkindes. Die war wirklich schön! Zum Ausspannen war kaum Zeit…zumal ich ja noch ungefähr 450439860 Fotos durchsichten muss. 😀

Gestern Abend hatten sich dann meine zwei besten Freunde angemeldet. Urlaubsbericht hören und gerne von der besten Freundin bekocht werden. Naja, was tut man nicht alles. 😉 Ich begab mich also eineinhalb Stunden vorher (= rechtzeitig!!) zum Einkaufen. Ich wollte richtig gute Pizza machen (komplett alles selbstgemacht…) und brauchte dafür noch ein paar Zutaten. Da ich wusste, dass ich alles in zwei Regalen beim Aldi kriege, steuerte ich ihn gut gelaunt an, schipperte mit meinem Wagen freudig durch die Gänge, schaufelte alles, was ich brauchte, in den Wagen, traf dort noch ein Chormitglied, mit dem ich ein Schwätzchen hielt, griff zum Reibekäse…

BATSCH.

Licht aus.

Alles aus.

Schwarz.

Alles stand mucksmäuschenstill. Alle starrten sich gegenseitig entgeistert an.
Dann begannen die Kühlschränke und Eistruhen, laut und hysterisch zu piepen, da sie zum Kühlen keinen Saft mehr hatten. Das verschärfte die Situation noch, denn Dunkelheit und nerviges Piepen sind nichts, was man normalerweise in einem Aldi vorfindet. Dann rannte der Marktleiter durch den Markt. Hin und her. Sprach mit den Kassiererinnen, rannte in die Lagerhalle, rannte wieder zurück, guckte hin und her, rannte in sein Büro. Immer noch standen wir auf unseren Fleckchen und die Gesichter der Anderen ließen darauf schließen, dass keiner so recht wusste, was nun kam.

Nichts kam. Ich stellte fest, dass mir das Piepen allmählich auf den Geist ging, die Dunkelheit beim Einkaufen höchst hinderlich war (ja, ich hatte mich inzwischen wieder in Bewegung gesetzt, wie die anderen Leute auch) und der Marktleiter nicht so aussah, als wüsste ER, was er tat. Er rannte weiter hin und her, sprach mit der Angestellten, flüsterte mit dem Packer…beim Rückrennen hielt ich ihn am Ärmel fest:
„Ähm…entschuldigung, gibt es eine Möglichkeit, das Piepen abzustellen?“

Ein Griff. Knopf. Aus.

Toll. Das hätte er ja nicht gleich machen können. Vielleicht dachte er, WENN schon Stromausfall, dann mit aller Action wo geht.

Auf jeden Fall kam er dann etwas später gemäßigten Schrittes wieder hinaus, schaute uns allen gefasst in die Augen (was etwas dauerte, wir waren ungefähr 40 Leute…) und sagte mit brüchiger Stimme:
„Wir müssen schließen…keiner weiß, wie lange der Stromausfall noch dauert…“
Er nahm eine Rolle Euros:
„Hier…wir geben Ihnen den Euro für den Wagen zurück…tut uns sehr leid…“
Er sah so unglücklich aus, dass ich ihm den Euro schenkte. Ich schenkte ihn ihm vor allem, weil ich mir dachte: nuja…die Leute werden jetzt alle den nächsten Supermarkt ansteuern…du hast kaum Zeit, also sei schneller.^^

Ich fuhr schnell zum TOOM, sprang aus dem Wagen, rannte zu den Einkaufswägen und stürzte Richtung Markt. Als ich dort ankam, bewegte sich die große Eingangsdrehtüre nicht…ratlose Gesichter im Markt, alle Lichter aus…na SUPER. Da hatte es wohl halb _______ (mir bekannte Menschen setzen hier meinen Wohnort ein) lahm gelegt! Ich raste zurück, stieg wieder ins Auto und fuhr ans andere Ende der Stadt. Schon total verspätet…als ich ankam, schaute ich erst bei LIDL. Alle Lichter aus, ratlose Gesichter. OCH NEE!!!! Egal, ich fuhr noch schnell zum anderen Aldi. Als ich ankam, alle Lichter au………MOMENT!!…

plopp …. plopp … plopp…………da gingen sie an!

JUHU!!
Ich hastete also in den Markt, war damit fast die Erste, flog durch die Regale und sammelte schnell alles wieder in den Wagen, was ich so schön im anderen Aldi schon gemacht hatte, zahlte und war draußen, als ein Autokorso anrückte! HAHA!

Sowas…die ganze Stadt…einfach so ohne Strom.
Schade, dass es nicht abends war…sonst gäbe es nach neun Monaten viele neue Klavierschüleranwärter. 😀

Dank der Hilfe meiner Freunde, die sich halb schlapplachten (jaja, wer den Schaden hat, schon klar…), gab es dann doch irgendwann auch noch was zu essen. Meinen einen Freund ließ ich abends dann nicht mehr heim, nachdem er mit meinem Mann zusammen fast zwei Flaschen Wein geleert hatte, wir frühstückten heute Morgen noch in aller Ruhe, während mein Mann schon arbeitete (wahahahaha! gnarrhaahaha) und mein anderer Freund zu Hause noch den Schlaf der Gerechten schlief und freuten uns, mal wieder etwas Zeit zum Reden zu haben. In dieser schnelllebigen Welt, in der oft so viel zu tun ist, ergibt sich das so selten…

Sehr schön. =)

Die ganze Woche habe ich schöne Dinge vor. Eine Sache hat sich leider zerschlagen… *traurig zu Tom schiel, der nicht von der Arbeit wegkommt und den ich dann erst nächste Woche sehe* und nächste Woche kommt eine gaaaanz liebe Freundin! Hach, so schön. =)

Euch einen schönen Abend! Bis morgen!

(JA, ich habe das Wort SCHÖN sehr oft verwendet! Aber was, wenn es halt schön ist!!? );)

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Da bin ich wieder!

28. Juli 2008 at 00:07:32 (Allgemein)

Tja…da bin ich wieder, meine lieben Leser. =)

Heil zurück von einem wirklichen Traum-Urlaub!

Ich habe viel geschrieben in der Zeit…jeden Tag meine Gedanken notiert und das, was passiert ist.

Aber bitte: LEST VON VORNE, AB TAG 1.

(Wenn ihr auf dem Kalender rechts auf 12 klickt, müsste der erste Beitrag kommen)

Manches baut sich aufeinander auf, das versteht man sonst nicht, wenn man nicht vorne anfängt.

Ich wünsche euch viel Spaß!! =)

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Toskana-Urlaub TAG 13

24. Juli 2008 at 00:07:39 (Allgemein)

TAG 13 (Donnerstag, 24.7.2008):

Heute Morgen strahlte uns nach dem Aufstehen ein absolut ultramarinblauer Himmel entgegen. Klasse Wetter für Florenz also! Wir sind extra etwas früher aufgestanden, damit wir viel vom Tag haben, obwohl ich merkte, dass ich nicht ganz fit war und mein Mann auch über Halsschmerzen klagte. Na, das wär ja was, wenn ich ihm da ein „besonderes Geschenk“ gemacht hätte. -.-

Ich schmeckte das Frühstück (jeai^^) und war angesichts dieser und der Tatsache, dass wir gleich nach Florenz aufbrechen sollten, guter Dinge. Die Fahrt in diese sehr bekannte Stadt war kein Problem. Kurz über die Autobahn und dann netterweise viele Schilder, die uns dahin leiteten, wo wir wollten: auf den Piazzale di Michelangelo. Dieser Platz ist hoch über Florenz, man hat einen Blick über die ganze Stadt. Von dort sind auch immer die netten Postkarten, die den Dom und die berühmte Ponte Vecchio zeigen.

Natüüürlich habe ich auch welche geschossen. =)

Als wir vor Jahren das erste Mal in Florenz waren, fanden wir diesen Platz eher aus Zufall. Dort kann man auch gut das Auto abstellen, wenn man sich nicht von irgendwelchen „Parkplatzwächtern“ einfangen lässt. Damals fuhren wir den Berg hoch und waren total erleichtert, einfach so Parkmöglichkeiten gefunden zu haben, ohne durch das chaotische Florenz zu müssen. Dann winkte uns ein Herr mit gelber Weste, wir sollten doch bitte auf den Parkplatz da drüben fahren, er hatte eine Kasse um und sagte: 40.000 Lire per giorno. Uff….40.ooo Lire…das waren…40 Mark damals. Das erschien uns echt viel. Wir drehten um, den nun schreienden und uns im Weg rumhantierenden Parkwächter außer Acht lassend, und fuhren erstmal auf den Piazzo die Michelangelo. Und OH WUNDER…da war das Parken FREI! Achja, LIEBER HERR PARKWÄCHTER-BETRÜGER?????? Ich möchte nicht wissen, wie viele dem damals in die Falle gegangen sind.

Diesmal wussten wir ja gleich, was zu machen ist, fanden problemlos hin und stellten uns neben die normalen Parkplätze, da schon alles besetzt war. Juckt irgendwie dort auch keinen. In der Stadt selber ist Parken total teuer, wenn man überhaupt stehen kann. Meist sind es Anwohnerparkplätze.

Danach genossen wir erstmal die Aussicht und begannen dann den Abstieg, Richtung Innenstadt. Uns ging es absolut ok, ich hatte schon Hoffnung, dass wir den Tag gut herum brachten. Leider begann es schon mit dem Abstieg. Ich fing an zu schwindeln, musste langsam gehen…aber unten angekommen ging es dann erstmal wieder. Wir schauten uns die Ponte Vecchio an, ich wies meinen Mann darauf hin, was für ein braves Frauchen er hatte, dass ich in der Schmuck-Gasse absolut meinen Mund hielt und nicht theatralisch die Arme hochwarf: „Wenn du mich lüüüüüüüüüübst, dann kaufst du mir………………..“ Mein Mann erwiderte grinsend, dass er das absolut honoriere und kaufte mir zum Dank dafür zwei total schöne Musik-Poster. Eins mit einer Geige und eins mit Klaviertasten für mein Klavierstudio. Haben wollte der Händler 50 Euro, gegeben haben wir ihm dann 30 und ich habe immer noch den Eindruck, dass es zu hoch war…früher bekam ich dann von den Händlern immer hinterher gebrüllt, dass ich ihre Kinder auf dem Gewissen hätte, die sie nun nicht mehr ernähren könnten etcpp….der nahm’s erstaunlich gelassen…entweder waren wir nicht niedrig genug gegangen, oder er war einfach noch nicht verheiratet.^^

Ich begann zu merken, dass mir innerlich ein warnender Finger gegen die Eingeweide tippte:

„Du…du bist eigentlich noch krank, merkstes?“

Ohja, ich merkte es. Meine Beine waren nicht wirklich fit, ich musste öfter Pause machen, aber ich ging tapfer weiter mit. Beim Dom angekommen, war ich genauso enttäuschtbegeistert wie das letzte Mal. Enttäuschtbegeistert deshalb, weil ich aufgrund des Platzmangels (der Dom ist total eingekesselt) kaum eine Fotomöglichkeit hatte, der Dom aber einfach TOTAL genial ist. Bruneleschi baute ihn damals. In der elften Klasse musste ich ihn zeichnen…vielleicht bin ich ihm deshalb so verbunden.

…vor kurzem habe ich die Zeichnung mal hochgeladen, weil jemand sie online sehen wollte.

Heute merke ich, wieviele zeichnerische Fehler ich damals machte… 😉 Aber für ne Schularbeit annehmbar.
(Sorry für die Bildqualität, es ist hinter Glas und ich habe es abfotografiert. Das Geschwärzte ist über meinem Realnamen.)

Als wir dann noch rund um den Dom gegangen waren, ging nichts mehr. Meine Beine wollten nicht mehr, mir war schlecht, ich bekam Kopfschmerzen…krank in über 30 Grad rumrennen, ist einfach nicht das Wahre. Mein Mann spendierte uns dann ein Taxi den ganzen Berg hoch. DANKE! Aber Florenz wollte ich mir nicht entgehen lassen, bevor ich zurück nach Deutschland fuhr…achja, Deutschland…MORGEN GEHT’S ZURÜCK!! Juhu!!!

So schön es hier war, ich freue mich total auf zu Hause. Ich habe noch eine Woche Ferien und später noch wirklich schöne Dinge vor. Ich vermisse meine Familie, meine Leute, den Fotoclub…ich war ja wirklich mal zwei Wochen ohne Internet. Jetzt kann ich sagen, dass ich nicht süchtig bin, denn ich bin nicht schreiend zusammen gebrochen, aber ich vermisse die Leute schon, mit denen ich sonst so Kontakt habe.

Deshalb möchte ich alle die grüßen, die mein Leben auf so wundervolle Weise bereichern, vor allem meine Eltern…morgen bin ich zurück! =)

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Toskana-Urlaub TAG 12

23. Juli 2008 at 00:07:55 (Allgemein)

TAG 12 (Mittwoch, 23.7.2008):

Von unfreundlichen Pizzeria-Angestellten und überschwappenden Aquarien

Als ich heute Morgen aufwachte, tat ich erstmal einen kräftigen Atemzug durch die Nase.

Dann überlegte ich, was mir an dieser Tatsache seltsam vorkam.

HA!!!!!!!!!!!!!!!

Ich konnte wieder durch die Nase Luft holen!! JEAIIIIH!! =)

Gut, es klang noch nach einer Mischung aus „Alter Traktor“ und „Gießkanne, wenn man Wasser hineinfüllt“, aber hey…ich war nicht mehr wirklich anspruchsvoll!

Völlig begeistert ging ich dann zum Frühstück und stellte fest, wie glücklich man sein kann, seinen Geruchsinn wieder zu haben. Ich hatte nun drei Tage lang nichts gerochen und plötzlich war der Käse auf meiner Zunge wie Kaviar…also…nicht so fischig…eher metaphorisch gesprochen.

Nach dem Frühstück war ich nicht mehr zu bremsen. Ich konnte wieder atmen, also war ich wieder gesund. Auf nach Siena! Aber als ich die Treppe zu unserem Turm hoch gekeucht war, merkte ich, dass ich langsam machen musste. Ziel also: nachmittags Siena, vormittags langsam machen, lesen, sonnen, duschen.

Als wir dann gegen 14h losfuhren, hatte mir mein Mann vorher schon die Warnung abgegeben:

„Achtung, wir fahren wieder die kurvige Strecke…allerdings geht die dann noch weiter…“

Ihr erinnert euch an die Zeichnung von mir:

Diesmal war es schlimmer. Ungefähr so:

Also…ungefähr. 😉

Und diesmal war mir danach wirklich schlecht. Ich hatte vorher nichts gegessen, weil wir in Siena eine Kleinigkeit zu uns nehmen und dann abends im Hotel Abendessen wollten und die Fahrt war viel länger und ich war ja noch nicht fit…dass ich nicht total grün im Gesicht war, als wir in Siena ankamen, wundert mich. Innerlich war ich dunkelgrün. Mein Magen hatte mir auf halber Strecke auch den letzten Funken Freundschaft gekündigt und mein geschwächter Körper war nicht in der Lage, das auszugleichen. Als wir den Parkplatz unterhalb Siena erreicht hatten, musste ich mich erstmal eine Weile fangen. Dann gingen wir los, ich versuchte, mir nicht anmerken zu lassen, wie sehr es mir schlecht ging, aber mein Mann merkte es doch und tröstete mich ein wenig. Beruhigend war, dass ich Stopp sagen durfte, wenn ich nicht mehr konnte. Das nahm mir etwas den Druck.

Aber dann war ich doch erstmal begeistert und vergaß Übelkeit und Unfitness. Man kann von unterhalb Sienas mit Rolltreppen bis hoch in die Altstadt fahren und muss den Berg nicht aktiv zu Fuß erklimmen. Unterwegs auf dem Rolltreppenmarathon, sahen wir an den Wänden ein Kunstprojekt. Viele verschiedene Menschen hatten Fließen gestaltet, die an den Wänden prangten. Sehr schön!

Dann genoss ich die Aussicht von oben. Ich hatte ja vorher schon Angst, dass die Rolltreppen ausgefallen sein könnten – als wir damals in Siena wohnten, war das an einem Tag der Fall…und DAS ist dann hart… – aber das war nicht der Fall. Das Erste, was einen oben empfängt, ist die Bibliothek und San Francesco, eine sehr alte, riesengroße Steinkirche. Da fühlte ich mich dann schon wieder fast zu Hause…irgendwie sind die ganzen Straßen noch so bekannt…obwohl es schon ewig her ist, dass ich dort war…bestimmt schon sieben Jahre.

Wir beeilten uns, durch die engen Gassen zum Marktplatz zu kommen. Siena ist in vielen Gassen nicht wirklich schön. Sehr düster, sehr eng, sehr dunkel. Ich dachte vorher, ich könne einige Fotos machen, gut, habe ich auch, aber eben keine von den verspielten Gässchen. Die hat Siena nicht wirklich. Aber der Marktplatz ist einfach supertoll. Er hat unheimlich viel Flair, die Leute sitzen zT auf dem Boden, der ist gefließt und warm…allerdings auch hier für Fotografen ein absolutes Problem. Der Marktplatz ist muschelförmig, man hat keine Chance, alles gescheit auf Chip zu bannen. Ich bin fast verzweifelt und habe dann ein Kunstfoto aufgegeben und nur Dokufotos geschossen.

Beispiel vom Campanile des Marktplatzes:

Mein Mann hatte dann doch Hunger, mir war noch etwas schlecht, aber wir näherten uns trotzdem mal einer Pizzeria direkt auf dem Marktplatz. Auch wenn die Italiener sonst gerne beim Salz sparen, die Preise waren SEHR gesalzen. Ich saß da, studierte die Karte und war ziemlich am Schlucken. Da kam die Bedienung auf uns zu. Mit einem ziemlich unfreundlichen Gesichtsausdruck.

„Please! No! Ähm…not there. Go there.“

Ähm…hä?

Nachdem sie weiter gefuchtelt hatte und wild versuchte, mit ihrem Halb-Englisch uns klar zu machen, was sie wollte, war uns klar:

AHSO…sie wollte, dass wir nicht dort sitzen. Aber warum nicht?

Die Leute um uns rum grinsten schon. Neben uns saß eine Gruppe deutscher Jugendlicher, die sich dann gegenseitig zuraunten:

„Guckt….da auch…warum bitte sollen denn die Leute nicht da sitzen dürfen, wo sie wollen??“

Jaha, das fragte ich mich aber auch. Die Pizzeria war zu zwei Dritteln leer, wir saßen halt an einem größeren Tisch und sollten nun an einen Mini-Zweiertisch wechseln. Nö. Gesalzene Preise UND noch nicht mal freie Platzwahl…nö. Nö nö.

Mein Mann sah das genauso, so erhoben wir uns wieder, schüttelten die Köpfe und sagten freundlich:

„No, thanks. Bye.“

Die Bedienung riss die Augen auf, die Gruppe Jugendlicher grinste noch breiter.

„Bye…“

Wenigstens ordentlich verabschiedet wurden wir.

Als wir dann gingen, sah ich noch aus dem Augenwinkel, wie die Bedienung zu dem Restaurantleiter rannte, der gerade rauskam und auch dort wild gestikulierte, woraufhin er in unsere Richtung blickte. Ich hörte nur noch so was wie:

„si non voy…irgendwie“ oder so… was soviel heißt wie: „Wenn die nicht wollen…“

Der hatte Glück, dass meine Selbstbeherrschung nicht mit dem Magen in Streik getreten war! Sonst hätte er mich an der Gurgel hängen gehabt! Wo ist denn bitte das „Kunde ist König“ hin?? Ich hätte es verstanden, wenn die Gäste Schlange gestanden hätten! Und wenn es zwischen zwölf und zwei Uhr mittags gewesen wäre und man einen Ansturm erwartete. Es war aber fast halb vier, die Pizzeria wie gesagt recht leer….Verstehe man die Leute.

Das war dann so ein Moment, wo ich mir folgende Schlagzeile für den nächsten Tag wünsche:

„Heute Morgen, gegen vier Uhr, schlug aus bisher unerklärlichen Gründen ein ungefähr vier Kubikmeter großer Meteorit auf dem „Piazza di Campo“ in Siena ein. Verletzte gab es keine, allerdings ist die Pizzeria di Piazza nur noch ein Haufen Schutt und Asche. Von einem Terroranschlag wird jedoch nicht ausgegangen.“

Jahaaaaaaa, das wärs.

Wir aßen dann ein Viertel Pizza, die SEHR gut schmeckte, in einer Art „MacDonalds-Pizzeria“, was wesentlich billiger war und wirklich gereicht hat.

Danach gingen wir Richtung Dom. Der Dom ist leider total eingebaut, also ist auch hier kaum eine gescheite Aufnahme möglich, es sei denn, man hat ein riesiges Weitwinkel-Objektiv. So machte ich ein, zwei Doku-Fotos und schaute mir ansonsten einfach das Gewusel drumrum an. Plötzlich erschallte total tolle Musik! Wir schauten, woher es kam und sahen, dass eine junge Frau und ein älterer Mann mit Hackbrett und Akkordion Klassik-Adaptionen spielten. Ich bin ja sonst eher nicht so der Hackbrettfan…eher Hackbraten…aber die zwei waren echt erste Sahne. Irgendwann konnte mein Mann meinem Dackelblick nicht mehr widerstehen und kaufte mir die CD der beiden. Nun sitze ich hier und höre sie nebenbei…soooo schön. =)

Hier mal eine Handstudie von der Spielerin:

Nachdem wir so drei Stunden herum gelaufen waren, merkte ich, dass ich doch ziemlich geschwächt war. So fit schien ich also nicht zu sein, allerdings hatten wir auch das wichtigste alles gesehen und machten uns auf den Weg zum Auto.

Dazwischen noch ein kleiner Stopp in der Kirche San Francesco, die jetzt offen war (zum ersten Mal, seit wir überhaupt Siena besuchen).

Als wir dann nach Hause fuhren, über die furchtbare Strecke, ihr erinnert euch….versuchte ich mich wieder totaaaal zu entspannen. Als ich dann aber merkte, dass mein Magen sich unten einen neuen Racheakt erdachte, überlegte ich, was denn genau meine Übelkeit entfachte. Und ich kam zu dem Schluss, dass es, neben der Kurvigkeit, vor allem am starken Bremsverhalten meines Mannes lag. Er fuhr immer schnell an und bremste dann recht hart vor der nächsten Kurve. So holte ich mal wieder mein inneres Metaphernbuch heraus und bat ihn:

„Schahatz?“

„Jaaa?“ (—> gereizt…er mag es nicht, wenn ich an seinem Fahrstil rummäkele)

„Tu mir mal den Gefallen und fahr so um die Kurven, als wäre ich ein bis zum Rand gefülltes Aquarium.“

Ich fand das sehr schlau. Erstens fühlte sich mein Magen so an, als wolle er überlaufen, zweitens hatte mein Mann dadurch eine Vorstellung, wie er die Kurven zu nehmen hatte. Er zog die Augenbrauen hoch, versuchte sich aber, in diese Situation hineinzudenken, dass ich ein bis zum Rande volles Aquarium sei. Und Leute, es klappte! Wir kamen zu Hause an und mein Magen schaute sich zweimal um, dass wir schon da waren! JAHA. Siehste mal.

Heute Abend verwöhnte ich ihn dann noch mal mit diesem traumhaften Steak. Ja. Er wurde verwöhnt. ICH hatte wieder mal das unglaublichste Pech der Welt! Den ganzen Tag hatte ich meinen Geruchsinn. Keinen Moment war der weg. PÜNKTLICH in dem Moment, wo wir uns im Restaurant setzten, ging die Nase zu! Ich reagierte PANISCH. Panisch deshalb, weil es der letzte Abend in dem Restaurant war (den Abend drauf hatten wir in dem anderen Restaurant noch mal gebucht) und ich gerade das herrliche Steak bestellt hatte!! Tja. Ich musste es dann komplett geschmacklos essen (etwas geschmeckt habe ich nur, wenn ich mich mal in mein Taschentuch schnäuzte und so die Nase kurz mal freier war)…als wir dann später wieder zu unserem Turm gingen, machte es plopp…und ich reckte meine Hand vor Wut zitternd in den Himmel….wo war der, der wirklich NUR für die Zeit des Essens meinen Geruchsinn holte?? WAR DAS WITZIG??? Nein, sicher nicht!!! *fauch*

Nunja, jetzt ist meine Nase wieder komplett frei…fürs Insbettgehen. Klasse.

Na gute Nacht dann.

😉

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Toskana-Urlaub TAG 11

22. Juli 2008 at 00:07:48 (Allgemein)

TAG 11 (Dienstag, 22.7.2008):

Von Abholzungen und weiteren Galaxisreisen

Als ich heute Morgen erwachte (so zum 2843945. Mal…die Nacht war schrecklich und ich nahe am Ersticken), es war so gegen halb acht, entdeckte ich, dass die andere Bettseite leer war. Ich war total verwirrt, weil ich nicht wusste, was los ist und setzte mich geräuschvoll auf.

Von unten kam ein: „bist du wach…?“

„Ja…?“

Da kam ein total müder Mensch mit seinem Kissen die Treppe hoch getorkelt, schmiss sich ins Bett und schlief weiter.

„Ähm…hm…was hast du gemacht?“

Mein Mann, kaum in der Lage zu antworten, grummelte nur unter der Bettdecke hervor:

„Guck raus…da dürfte kein Baum mehr stehen! Du bist dafür verantwortlich, dass die Toskana bald pleite geht, weil ihr die Landschaft fehlt, die du heute Nacht abgesägt hast…“

drehte sich um, zog sich das Kissen über den Kopf und schlief weiter.

Ohje.

Die Nacht war ja schon für mich grausam gewesen. Ich war dauernd aufgewacht, weil ich richtige Erstickungspanik hatte (durch die Nase kam NICHTS durch und der Hals war verschleimt, so dass ich oft aus dem Schlaf schreckte, weil ich dachte, ich bekomme keine Luft mehr), ich konnte nicht einschlafen, weil der Druck im Kopf schrecklich war, dann trank ich viel, musste also auch dauernd aufs Klo…hach, schwierig.

Für meinen Mann, da hatte ich gar nicht dran gedacht, musste es dann ja NOCH schlimmer gewesen sein! Er wurde nicht nur wach, weil ich mich dauernd im Bett herum schmiss, stöhnte, ächzte und fluchte, gefolgt von einem leisen Zornesheulen…nein, er konnte auch dann nicht schlafen, als ich erschöpft wieder einschlief, weil ich dann anscheinend so röhrte, röchelte und schnarchte, dass man sich auch getrost vor einen Schaufelradbagger hätte zum Schlafen betten können!

Es tat mir SO leid…Kranksein ist einfach total bescheuert, gerade wenn man im Urlaub ist, ich denke, da stimmt mir jeder zu. Ich sehe Siena und Florenz schon schwinden, ich kann momentan ja nichtmal zum Frühstück gehen. 1. schmecke ich nichts, da kein Geruchssinn da ist, 2. bin ich schon total fertig, wenn ich ein, zwei Treppen laufen muss. Und am Sonntag ist die Taufe, wo ich singen soll! PANIK!!! Mein Sangeskollege würde jetzt wieder die Augenbrauen hochziehen und sagen: „Tja, Dana…wie wäre es mal, wenn du nicht nur die Folgen bekämpfst, sondern mal die URSACHEN angehst!!!“

JAHA! IST JA GUT. Wenn ich wieder zu Hause bin, lasse ich mich mal durchchecken. Irgendeinen Plan des Schicksals, das mich hier dauernd ärgert, wird es ja wohl zu durchkreuzen geben.

Ich hoffe einfach mal, dass ich morgen so fit bin, dass ich doch ein wenig was machen kann. Siena ist ja nicht so groß, man kann mit Auto oder auch mit Rolltreppen hochfahren und muss den Berg nicht laufen…das müsste doch zu schaffen sein.

Heute beschäftige ich mich noch etwas mit meinem Buch…das ist echt SO klasse…man kommt aus dem Lachen kaum heraus. Allerdings denke ich inzwischen wirklich, dass es eine Geschmacksfrage ist. Mein Mann runzelt oft die Stirn, wenn ich ihm was vorlese…andere Menschen finden es sicher furchtbar…MIR gefällts. =)

Ich denke, ich werde meine neueste Lieblingsszene des Tages immer unten an den Blogeintrag hängen…vielleicht holt sich der ein oder andere das Buch ja dann auch…^^

Arrividerci, bis morgen!

Per Anhalter durch die Galaxis, Seite 67:

Der praktische Nutzeffekt der Sache ist, dass man mit einem Babelfisch im Ohr augenblicklich alles versteht, was einem in irgendeiner Sprache gesagt wird. Die Sprachmuster, die man hört, werden durch die Gehirnstrommatrix entschlüsselt, die einem der Babelfisch ins Gehirn eingegeben hat.

Nun ist es aber verdammt unwahrscheinlich, dass sich etwas so wahnsinnig Nützliches rein zufällig entwickelt haben sollte und so sind ein paar Denker zu dem Schluss gelangt, der Babelfisch sei ein letzter und entscheidender Beweis dafür, dass Gott NICHT existiert.

Die Argumentation verläuft ungefähr so:

„Ich weigere mich zu beweisen, dass ich existiere!“, sagt Gott, „denn ein Beweis ist gegen den Glauben und ohne Glauben bin ich nichts.“

„Aber“, sagt der Mensch, „der Babelfisch ist doch eine unbewusste Offenbarung, nicht wahr? Er hätte sich nicht zufällig entwickeln können. Er beweist, dass es dich gibt.

…und darum gibt es dich, deiner eigenen Argumentation zufolge, NICHT, quod erat demonstrandum.“

„Ach du lieber Gott!“, sagt Gott, „daran habe ich gar nicht gedacht“, und löst sich prompt in ein Logikwölkchen auf.

„Na, das war ja einfach!“, sagt der Mensch und beweist, weil’s gerade so schön war, dass schwarz gleich weiß ist und kommt wenig später auf einem Zebrastreifen ums Leben.

Göttlich. 😀

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