Toskana-Urlaub TAG 5

16. Juli 2008 at 23:07:31 (Allgemein)

TAG 5 (Mittwoch, 16.7.2008):

Vom Fünfkistenlimit, einem umgedrehten Magen/ und einem halben Sonnenstich

Als ich heute Morgen unter die Dusche stieg – leider gibt es in dem Bad keine Extradusche, man muss also in die Whirlwanne klettern – stellte ich mal wieder fest, wie wenig schwindelfrei ich doch war. Die letzten Tage duschte ich mit offenen Augen, da die Haare nicht jeden Tag mit gewaschen werden, doch heute waren sie dran…und es war lebensgefährlich. Der Wannenboden ist mit so einer seltsamen Struktur versehen, die eigentlich NICHTrutschend sein sollte…aber irgendwie…bei mir bewirkte sie das Gegenteil! Drei, vier mal fest vor dem rutschenden Exitus, war ich froh, als ich endlich fertig war. Ja, manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen erfreuen, zB eben lebend aus der meuchelmördernden Wanne entwischt zu sein.

Allerdings sollte es mir heute noch öfter an den Kragen gehen, was ich aber zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnte.

Der Tag begann nach dem Duschabenteuer sehr entspannt beim Frühstück. Die haben da einen wunderbaren Kakao. Und wenn man sich einmal an das knallharte Brot gewöhnt hat, macht das Essen wirklich Spaß.^^ Heute stand S. Gimignano auf dem Programm. Diese Stadt ist sehr alt, sehr verwinkelt und wirklich schön. Wir waren da schon einmal vor Jahren und waren damals sehr enttäuscht, da dieses malerische Städtchen zum absoluten Tourinap verkommen ist. Da gibt’s in jeder Gasse mehrere Geschäfte, den absolut unnötigsten Plunder kann man kaufen…und die Stadt ist kreischend voll. Wir beschlossen also, recht früh hinzufahren.

Wie es dann aber immer so ist, man ist im Uuurlaub…es geht alles etwas laaangsamer…und so brachen wir dann doch erst recht spät auf. Egal, wir würden da schon noch Platz zum Treten haben und SO spät war es ja nun auch noch nicht. Doch wir hatten nicht mit der Strecke gerechnet. Und hier kommen wir zum nächsten Dana-Unglück.

Seit ich so 13 Jahre alt bin und nach einigen Karussellfahrten auf einer Kerb (Rummel) mich fast in die Büsche übergeben habe, habe ich Schwierigkeiten mit aufkeimender Übelkeit, wenn sich etwas dreht oder oft in die Kurve geht. Komischerweise, gehen Achterbahnen bis zu einem gewissen Wiederholungsfaktor (nach vier Mal fahren ist Schluss!), aber Autofahren ist schwierig, genauso wie Kettenkarussell fahren. Fragt mich, warum das bei mir so verrückt ist, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall sah ich auf der Karte die Strecke nach, die wir gleich fahren mussten. Und sie sah…ungefähr so aus…

Mein Magen, dem mein Herz und meine Atemwege gestern schon ihr Leid geklagt hatten, protestierte aufs Höchste und wollte daheim bleiben. Aus gleichem Grunde wie gestern ließ ich auch diesmal nicht mit mir reden. Ich hätte es aber vielleicht besser getan. Die Kurven waren arg. Es ging hoch, runter, rüber, drüber, rechts, links…man hatte gar keine Möglichkeit, sich zu entspannen. Ich verkrampfte mich und es wurde mir wirklich speiübel. Mein Mann merkte es und fragte immer mal, ob wir denn nicht anhalten sollten, aber ich wollte einfach nur dort ankommen. Dann gab es aber doch ein, zwei schöne Aussichtspunkte, an denen wir zum Fotografieren hielten und mein schimpfender und revoltierender Magen konnte sich kurz erholen. Fast meinte ich, hämisches Gelächter von Herz und Atemwegen zu hören…aber das war sicher Einbildung. Ich gab ihm dann zum Trost ein paar Jelly Bellys und er ließ jedenfalls insofern mit sich reden, dass ich ohne schlimmeres Übel die Strecke überlebte.

Dort angekommen, war es natürlich doch schon brechend voll. Die Autos schoben sich langsam voran und ich war sehr dankbar, als mein Mann mich oben vor dem Eingangstor absetzte, damit ich mich in Ruhe in die Sonne setzen konnte, während er den Wagen versorgte.

„Ich versuche es mal auf Parkplatz zwei oder drei…“

Die waren direkt nebenan. Ich wünschte ihm dafür Glück.

Und dann saß ich da. Jupp….

*meine Fingernägel betracht…*

*in die Sonne schiel*

*Leuten nachstarr*

*an einem Nagel was Abstehendes abbeiß*

*mich zur Sonne reck*

*mich von der Sonne wegdreh*

*mit mir selbst „Ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst“ spiel*

…………

………………

Ungefähr eine halbe Stunde später kam mein Mann dann angelaufen. Es war wirklich ALLES voll und er hatte unten am Berg parken müssen. Der arme Kerl. Ich schüttete mein Bedauern über ihn aus und wir betraten die altertümliche Stadt. Es war wirklich schön, wenn man über zwei Meter schaute. Drunter war alles voll Touristen. Gut, klar, wir waren auch zwei davon, aber manchmal hätte ich am liebsten ein paar weggebeamt, wenn sie mir bei einer Aufnahme dauernd durchs Bild liefen. Es ist immer wieder interessant, wie dreist Leute andere Mitmenschen ignorieren können.^^

S. Gimignano ist einen Besuch wert, wenn man mal in der Nähe Urlaub macht. Die Stadt besteht aus vielen kleinen Häuschen und vielen großen, eckigen Türmen. Das gibt dem Ort so einen „Burg-Flair“. Auch wenn es nicht groß ist, kann man sich doch in den verwinkelten Gassen verlaufen, aber wir meisterten das mit Bravour. Ich knipste wild vor mich hin, hier und da war eine wundervolle Aussicht zu genießen, der weiße Sandstein brachte Südatmosphäre pur. Nach einer Weile war es dann der Sonne genug, die heute wirklich traumhaft vom strahlend blauen Himmel schien. Wir setzten uns vor die Kirche auf die breite Treppe, wo noch viele andere Menschen den Schatten aufgesucht hatten und spannten aus. Mein Mann holte uns eine Ecke Pizza – obwohl Pizza ja wirklich kein italienisches Essen ist, auch wenn man das immer sagt – und etwas zu Trinken und wir genossen eine schöne Mittagspause. Amüsiert waren wir über einen Vater, der sich auf den Boden schmiss, um seine Kinder zu fotografieren, die vor den Türmen standen. Er wollte unbedingt die Türme ganz mit drauf haben, was ihm durch seine Verrenkungen am Boden wohl auch gelungen war.

Wir flanierten dann noch eine Weile durch die Stadt und mein Mann kaufte noch die ein oder andere Flasche Wein…es waren dann so viele, dass er sie nicht runter zum Parkplatz tragen wollte (ich auch nicht^^), so dass ich die Flaschen oben „bewachte“ und er schnell das Auto holen ging. Da er nur bergab musste, ging es viel schneller, allerdings war mir die Sonne dann doch zu viel. Zu der Zeit war dort oben irgendwie kein Schatten zu finden und mein Kopf motzte. Dabei hatte ich ein schönes weißes Seidentuch vor Abfahrt noch gekauft, das ich mir wie ein breites Haarband in die Haare gewickelt hatte, um meine Kopfhaut vor Ärgerem zu schützen, was auch gelang. Trotzdem meinte alles in mir: nu is gut.

Hier ein Bild von der Stadt:

Auf der Heimfahrt hielten wir noch bei einer Wein-Kooperative, wo ich dann noch mal geschlagene 40min im heißen Auto gewartet habe – was soll ich schon beim Weinkosten, wenn ich Wein verabscheue^^ – und dann gings endlich heim. Wieder diese furchtbare Strecke entlang. Aber ich hatte diesmal einen Trick: Ich ließ mich tief in den Sessel sinken, entspannte mich komplett und ließ mich einfach von den Kurven treiben. Und siehe da!! Das ging! Mein Magen gab Ruhe – gut, vielleicht hatte er auch aufgegeben – und ich kam heil nach Hause. Nun sitzen wir auf der Terrasse, genießen den Blick…der wird mir wirklich fehlen, wenn wir wieder daheim sind…die Sonne überflutet noch das Tal, während es bei uns oben auf der Höhe schon langsam kälter wird…

Es war, außer den Attacken auf Leben, Magen und Kopf, ein wirklich perfekter Tag, den wir beide SEHR genossen haben. =)

Bis morgen, meine Freunde und treuen Leser!

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