Skylinepleite #1 und wie man sich in Äppelwoikneipen verhält

10. August 2008 at 22:08:06 (Allgemein)

Meine Güte.

Taten MIR die Füße weh, als ich aufstand. Das heißt, als ich endlich in der Lage war zu stehen! Erst überlegte ich, ob ich ins Bad robben sollte, weil meine Beine absolut keine Lust hatten, mich zu tragen. Der Tag im Zoo war anstrengend gewesen, von Tommy hatte ich die Nachricht bekommen, dass seine Füße mit ihm ebenfalls ziemlich sauer waren, Sylvi hatte nicht ganz so viel Fuß-Aua, war aber genauso müde wie ich.  So saßen wir mit kleinen Augen beim Frühstück, waren aber um zehn schon in Frankfurt verabredet, so dass wir uns sputen mussten mit dem Essen.

Pünktlichst saßen wir dann im Auto und fuhren gen Mainmetropole. Der Witz „Frankfurt am Rhein“ (wahlweise Donau, Elbe und andere Flüsse) hielt sich tapfer den ganzen Tag. Ich fahre ja nicht wirklich gerne in Frankfurt Auto. Es ist voll, es ist riesig, meist ist man auf der ganz linken Spur, wenn man merkt, dass man in fünf Metern rechts ab muss und ungefähr 349853945 Autos zwischen einem und der rettenden Abfahrt sind, die auch nicht im Entferntesten dran denken, Platz zu machen oder einen reinzulassen. Im Gegenteil, meist wird man noch in Grund und Boden gehupt und die Gesichtsausdrücke der ortskenntlichen Fahrer zeigen sehr deutlich, dass ihre Meinung von dir gegen minus 50 geht. Blondgelockte Frau am Steuer ist dann eh der absolute Abschuss auf der Vorurteilsskala.

Als wir aber heute da hinkamen…ähm…
…hm…
WAR HIER EIN SUPERGAU ODER WAS???

Es war nichts los. Gar nichts. Straßenzüge komplett leer. Auf dreispurigen Straßen zT alleine gefahren. Wir waren echt unsicher, ob das alles mit rechten Dingen zu geht oder ob wir auch jetzt unserem letzten Stündlein entgegen sehen würden. Doch nichts passierte. Mein Mann hatte mir geraten, ins Römer-Parkhaus zu fahren, weil sonst sicher alles voll sei. Weit gefehlt. Wir konnten uns einfach bequem ans Mainufer stellen, es war echt viel frei. Wir hatten uns mit einem Freund aus dem Fotoforum verabredet, der mit seiner Frau gerade seinen Sohn in Frankfurt besuchte. Zehn Uhr am Eisernen Steg. Wir parkten also, stiegen aus und gingen zu der Brücke, die wir für den Eisernen Steg hielten.

Wir dachten uns aber schon beim Betreten der Brücke, dass das so nicht stimmen könne und fragten einen aus der Puste – und durch uns auch aus dem Tritt – gekommenen Jogger, ob wir hier falsch seien.

„Zwei Brücken weiter vor!“ keuchte der Läufer und rannte uns davon. Wir gingen also zum Auto zurück und fuhren noch ein Stück weiter aufwärts, parkten da und überquerten gerade die Straße, als der Jogger uns vom Eisernen Steg aus entgegen lief! Da war der in der Zeit, wo wir mit dem AUTO gefahren, ausgestiegen waren und unsere Kameras mitgenommen hatten, die komplette Strecke gelaufen und war nun auf gleicher Höhe mit uns, die wir motorisiert da hingekommen waren! Krass.

„WIr habens gefunden!“
Er lächelte mühsam.
„Fein!“

Auf der Brücke „Eiserner Steg“ warteten wir dann auf den Kollegen und knipsten schonmal munter umher.
Das Problem nur: es lohnte sich nicht wirklich. Die Skyline gibt es in so schönen Fassungen…die Aussicht von dieser Brücke war…nunja…eher nicht wirklich toll. Wir waren enttäuscht und ließen uns von unserem Kollegen, als er kam, durch ein paar Seitenstraßen in Frankfurt führen. Insgesamt war die Fotoausbeute nicht SO riesig…aber dafür hatten wir echt netten Kontakt und sahen uns endlich mal wieder, das war auch schön.

Ein schönes Foto von einem Teil der Skyline habe ich dann doch für mich ausmachen können:

Später trafen dann seine Frau mit Sohn und Quasischwiegertochter wieder auf uns und wir gingen zusammen Mittagessen. Das war sehr cool, da wir in eine unglaublich urige Äppelwoi (Apfelwein)-Kneipe gingen. Die Wände waren bemalt und die Kellner waren lautstark, originell, mit einem vorlauten Mundwerk, aber total herzlich. Das Essen war klasse! Man ging vorne durch die Türe eines wirklich sehr kleinen Häuschens…und NIEMALS dachte man, dass sich da drin dann riesige Räume auftun! Ich habe das Mittagessen wirklich genossen unter all den lieben Menschen und in diesem verrückten Ambiente. Der Kellner, der uns bediente, erschreckte mich anfangs zu Tode, als er von hinten einfach auf unseren Tisch durchlangte. Anscheinend hatte ihm mein Schreck viel Spaß bereitet, denn nachdem er sich erkundigt hatte, was denn sei, machte er es ANDAUERND. Schweinerei. ^^

Vor Lachen abgebrochen sind wir fast, als wir dem Ausgang zustrebten, vor uns ein altes, sehr wackliges Ehepaar (bestimmt beide so an die Ende 80): plötzlich schrie der Kellner von hinten:

„Herrmann!! Herrmann, wart mal!! Die Oma hat was vergessen!!“

Schrie es und rannte hinterher, etwas in ein Taschentuch eingepackt.
Alles drumrum lachte schreiend los, weil völlig klar war, dass der nette Herr Ober zumindest eine der beiden Zahnreihen der alten Dame mit sich trug. Zähne auf dem Kneipentisch vergessen…hat was. 😀

Danach verabschiedeten Sylvi und ich uns von den anderen und zogen unserer Wege. Wir wollten noch in den Palmengarten und danach noch schauen, ob wir die Skyline noch irgendwo besser drauf kriegen könnten. Doch auf dem Weg zum Palmengarten merkten wir, dass uns die Hochhausarchitektur und die damit verbundenen Spiegelungen wesentlich mehr interessierten als Palmen, Blümchen und andere Dinge. Da Sylvi in Norddeutschland wohnt und solche Gebilde eher ein Fremdwort für sie sind, parkte ich mitten in der Stadt (auch hier: freie Platzwahl) und wir gingen einfach mal mitten hinein in diese hohen Gebäude.

Hier mal ein Beispiel, auf das ich stolz bin:

Als wir bei der alten Oper ankamen, setzten wir uns, um ein Eis zu essen. Die Bedienung kam, lächelte nett und fragte, ob wir schon wüssten, was wir wollten. Nein, noch nicht ganz. Sie versprach, gleich wieder zu kommen. Nach einer Viertelstunde hielt ich den Kellner der Nebentische an, der sehr geschäftig alle bediente, die zu seinem Bereich gehörten und bat ihn flehend, unsere Bestellung aufzunehmen. Nach weiteren fünf Minuten hatte er dann unsere Bedienung gefunden und flüsterte ihr unsere Bestellung zu. Wir waren schon leicht verärgert, freuten uns aber auf unser Eis, welches dann zehn Minuten später kam. Als wir fertig gegessen hatten, verschwand ich nochmal für kleine Danas. Der Weg war recht lang und als ich dann zurück kam, saß Sylvi mit Leichenbittermiene da. Sie hatte immer noch keine Chance erhalten, unser Geld an den Mann (hier „das Mädel“) zu bringen. Nach weiteren zehn Minuten hatten wir die Schnauze voll. Sylvi zählte das Geld genau ab, suchte die Bedienung und drückte ihr das passende Kleingeld mit dem Satz „Unsere Geduld ist am Ende“ in die Hand. Das verblüffte Gesicht war nur eine kleine Befriedigung für die vielen Minuten, die wir hatten warten müssen. Zu allem Übel fing es leicht an zu tröpfeln. Wir suchten uns einen Weg mit kleinen Passagen und Vordächern, so dass wir die Hochhäuser fotografieren konnten, ohne großartig nass zu werden. Dann ging ich an einer Front vorbei, aber Sylvi stoppte mich:

„Hey, da kann man auf den Maintower hoch!“
„Ui….lass mal gucken!“

Der Eintritt war erschwinglich und ich kaufte zwei Tickets, nachdem Sylvi mich vorher zum Eis eingeladen hatte. Am Eingang war eine Personenkontrolle. Alles ablegen (also…keine Kleidung. 😉 ), alles aus den Hosentaschen… Hm, das Problem: ich bin jemand, der alles in die Hosentaschen stopft, damit ich keine Handtasche mitnehmen muss. So landeten mehrere Ladungen Münzen, mein Führerschein, Akkus, Aspirinbeutelchen und noch andere nette Sachen auf dem Tisch. Die zwei Sicherheitsangestellten guckten schon etwas verwirrt, als ich lachend erst alles auspackte, dann durch dieses Sicherheitstor lief und dann alles wieder einpackte.^^

Wir betraten den Fahrstuhl zusammen mit zwei Japanern, die sich völlig aufgeregt darüber austauschten, wie der Fahrstuhl in einem irren Tempo (die Ohren gingen zu!) 190 Meter nach oben schoss. Oben angekommen, mussten wir noch ein paar Treppen steigen, aber dann waren wir draußen! Es war der helle Wahnsinn!! Eine Sicht bis zum Horizont und weiter, Frankfurt von GANZ oben! Einfach wundervoll!

Hier mal zwei Fotos:

Das hatte sich wirklich voll gelohnt. Es waren nicht viele Leute oben, es war kühl, windig, aber einfach total toll!! Wir blieben fast eine Stunde da oben, dann tröpfelte es und wir fuhren auf ebene Erde zurück. Unten angekommen, sahen wir, dass gerade ZWEI BUSLADUNGEN Touristen eingetroffen waren, die alle am Sicherheitsbereich standen. Meine Güte, da hatten wir es aber gut getimed!

Da wir müde waren, machten wir uns auf den Rückweg. Es regnete nun so stark, dass wir in einem Park unter Bäumen erstmal Schutz suchten, bevor wir uns zum Auto durchschlagen konnten. Aber trotzdem war der Tag SEHR schön und hatte sich fotografisch doch noch gelohnt! =)

(Ich weiß, ich bin einen Tag hintendran, ich versuche aber, morgen dann das von heute zu schreiben…es ist wieder unglaublich viel passiert!!)

Lest morgen:

„Von Autokäufen und die Skylinepleite #2 !“ =)

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