Wer am lautesten brüllt …

25. August 2008 at 01:08:56 (Allgemein)

Meine Güte, Leute, was ein Sonntag.

Heute war Sinfoniekonzert, eine kleine Fototour, eine Taufe, die ich spielen und singen musste, und ein Treffen mit meiner Freundin Sylvia (vorsicht, nicht Sylvi!) angesagt. Blöd, dass beide Freundinnen von mir Sylvia heißen, aber ich denk nicht dran, auch nur eine davon abzugeben. 😉

Das größte Problem: ich hatte die Taufe irgendwie zeitlich gen 16.00h gesetzt. Also so innerlich. Mein Hirn schrieb es irgendwo auf einen Post-it und klebte es an meinen innerlichen Kühlschrank. Ich mag es gar nicht, wenn mein Hirn sowas tut. Das gibt meist dann nur große Probleme oder wirklich Stress für mich. So auch heute.

Da mein Mann Tennis spielen musste (Medenrunde), war seine Abokarte fürs Sinfoniekonzert frei, das heute Morgen um elf war. Ich fragte daraufhin Rolf, einen meiner besten Freunde, ob er gerne mitgehen möchte, was er natürlich begeistert zusagte. Tja…und dann lief mir mein Kalender über den Weg und ich beschloss, doch mal einen Blick hinein zu werfen…die Taufe war…UM EINS!!!???? So ein verdammter Mist!! Gottseidank hatte ich noch in den Kalender geschaut, meine Güte…das wäre voll nach hinten los gegangen. Dana um vier mutterseelenalleine in der Kirche…und alle Taufgäste furchtbar sauer. Autsch…

Das Problem nun: das Sinfoniekonzert ging bis eins! Au weia…

Ich rief also Rolf an und sagte ihm, dass ich in der Pause gehen müsse und ob er dann den Rest sich alleine anschauen würde. Er überlegte eine Weile und meinte, er wäre ja schon groß und würde das hinkriegen. So sagte ich das Konzert nicht ab (also…meine Teilnahme daran^^), sondern traf mich mit ihm kurz vor elf im Theater. Das Konzertprogramm war super. Besonders auf Rachmaninows 4. Klavierkonzert freute ich mich und war unglaublich froh, dass es in der ersten Hälfte des Konzertes zu hören war. Der Pianist war erste Sahne.

Dann, in der Pause, fuhr ich los, Richtung Kirche. Ich hatte die Wahl zwischen „viel zu früh da sein, weil in der Pause gegangen“ und „zeitlich richtig kommen, weil einfach mitten im Stück aufgesprungen, von der Mitte aus im Dunkeln aus der Reihe hinausgedrängt und zwanzig Leute zum Aufstehen gezwungen“. Als wohlerzogene Musikerin und Menschenfreundin wählte ich erstere Lösung und stand dann fast eine Stunde zu früh an der Kirche. Und nun?

Naja, ich hatte meine Kamera mitgenommen und ging noch eine Weile in den angrenzenden Park fotografieren. Es lohnte sich bedingt. Ich schoss ein paar Detailaufnahmen, sah einer Wespe zu, wie sie gerade versuchte, einen faulenden Apfel aus dem Brunnen zu fischen – sie muss an absolutem Größenwahnsinn gelitten haben… – und ging dann, als die Turmuhr viertel vor eins schlug, in die Kirche.

Dort sprach ich mit dem Pfarrer (fremde Kirche, fremder, aber netter Pfarrer), baute dessen E-Piano auf und wartete auf die Dinge, die da kommen sollten. Sie kamen dann…oder auch nicht. Es waren zwei Täuflinge, von der einen „Partei“ war ich gebucht worden….aber von denen war keiner da! Ich wunderte mich schon etwas, blieb aber erstmal locker. Dann saß die komplette Familie der anderen Partei dort und wartete. „Meine“ Partei…komplett abwesend. Ich wurde nervös, da es 12.58h war…und dann kamen sie endlich. Im Gepäck ein recht süßes, aber unwilliges Kind.

„Sie is krank und ich hab sie schnell noch gestillt…“

Nuja, das hatte sich sicher nicht anders timen lassen. Ohmann.

Die Taufe ging los. Fünf Minuten war alles bestens. Dann fing klein Kranky an zu brüllen. Tja. Stillen hatte wohl nichts genützt. Sie ließ sich nicht beruhigen, egal, was die Leute taten. In der Kirche waren ungefähr fünf bis sieben Babies. Zwei Täuflinge und dann halt noch Kinder der Verwandtschaft im gleichen Alter. Nunja. Auf jeden Fall merkten die anderen Winzlinge, dass einer ihrer Sorte Partyalarm gegeben hatte. Juhu, yeeeehaw! Und nach dem Motto „dabei sein ist alles!“, stimmten sie mehr oder weniger harmonisch mit ein. Sieben brüllende Kleinstkinder in einer Kirche mit fünf Sekunden Nachhall…joah, hat was.

Der Pfarrer war sichtlich verzweifelt, ließ sich aber nicht von seinen Predigtworten, die eh keiner verstand, weil das Gebrüll viel zu laut war, ablenken. Die Mütter standen der Reihe nach auf und versuchten, ihre kleinen Brüllaffen zu beruhigen. Und da konnte man gut sehen, wie unterschiedlich Mütter reagieren…und erziehen.

Die erste Mutter stand auf und ging herum. Kind brüllte. Mutter ging zurück. Kind hatte nun den Blick auf die Kirchenfenster, machte weit die Augen auf, guckte interessiert und war ruhig. Mutter, erleichtert, setzte sich wieder. Kind, den Fenstern entraubt, da nun in die andere Richtung guckend, brüllte wieder los. Die Mutter stand verzweifelt wieder auf, ging wieder eine Runde. Kind wieder ruhig, Mutter wieder zurück in die Bank. Nach dem sechsten Mal fragte ich mich dann, ob sie Scheuklappen aufhabe oder einfach nicht die intellektuellen Möglichkeiten besaß, einmal zu schauen, WAS ihr Kind denn da vom Schreien abhielt. Naja, nichts für ungut.

Die zweite Mutter gab das Kind ihrem Mann.

Die dritte Mutter (die zweite Taufmutter) schuckelte ihr schreiendes Baby erst, dann legte sie es genervt in ihrem Arm, schob sich den Pullover hoch, entblößte vor dem Pfarrer, der daraufhin in seiner Predigt doch kurz stockte, die Brust und fütterte ihr Kind, das aber immer wieder ausspuckte, die Mutter voll, weiter brüllte, so dass das Spiel „Kind anlegen, Kind brüllt, Kind hochnehmen, BH wieder zu, Kind brüllt weiter, BH wieder auf, Kind anlegen, Kind brüllt“ eine ganze Weile ging. Dumm dann, dass, als das Kind endlich ruhig trank, der Pfarrer sagte: „Und nun bezeichne ich euch mit dem Kreuzzeichen“…joah…Mutter panisch schnell den BH wieder zu, Kind hoch…Pfarrer bezeichnete das laut schreiende Baby mit dem Kreuz, BH wieder auf, Kind wieder dran…

Ich saß echt da und musste mich SO beherrschen, nicht laut loszulachen. Es war wie im Film.

Die anderen Mütter bekamen ihre Kinder dann irgendwie ruhig. Die BH-Nummer hatte mich von den restlichen Brülldramen abgelenkt, so hatte ich nicht mitbekommen, wie sie es geschafft hatten, aber es war endlich wieder etwas mehr Ruhe. Nur Kind 1 brüllte noch, weil die Mutter sich eben mal wieder gesetzt hatte…ihr wisst ja noch: Kirchenfenster adé.

Ich war SO froh, als diese Taufe rum war…der Pfarrer wischte sich dann auch den (Angst-?)schweiß von der Stirn. Ich hievte mit ihm noch das E-Piano zurück und musste meine Telefonnummer da lassen. NEIN, er wollte mich nicht zu einem stimmungsvollen Abendessen einladen, er wollte mich ab und an buchen.

…ok, das klingt jetzt auch verwerflich…

Ich meinte als ORGANISTIN, herrgott. Oder als Sängerin. Ich freue mich immer, wenn ich neue „Connections“ aufbaue, da springt dann meist wirklich was bei raus. Tut alles der Bekanntheit gut und bringt Geld in die Kasse.

Danach ging ich noch bissl weiter fotografieren und fuhr dann nochmals an das neue Darmstadtium in Darmstadt, das ich letztens mal nachts besucht hatte und es nun auch tagsüber mal ablichten wollte.

Hier ein Ergebnis davon:

Ok, die Farben sind etwas anders, aber ich bin gerade so am Rumspielen an allen Reglern, die ich so finde…und momentan mag ich es, die Farben zu entsättigen und fast monochrom zu arbeiten.

Das Darmstadtium ist ein Wettbewerbs-Sieger-Bau. Es ging darum, ein großes Kongresszentrum zu entwerfen, die alte Stadtmauer aber zu integrieren, weil sie – denkmalgeschützt – nicht abgerissen werden durfte. Und SO sah dann der Gewinner die Zukunft. Ist schon ganz nett.

Abends war ich dann mit meiner Freundin und meinem kleinen Patenkindchen unterwegs. Die ist SO süß. Das ist echt klasse mit den beiden. Später habe ich mir dann fast noch den Arm abgebrochen, als ich die Kleine dann durch die ganze Stadt geschleppt habe, weil sie nicht in den Wagen wollte, sondern auf den Arm und Sylvia entnervt NEIN gesagt hatte…die Brüllerei heute Mittag hatte mir aber gereicht, so fragte ich, ob ich sie nehmen sollte.

„Achteinhalb Kilo durch die ganze Stadt? Und zwar ZAPPELNDE achteinhalb Kilo?“
„Ähm…ja, klar?“
„Na, dann los…“

Ich bereute es nach den ersten dreihundert Metern. Die Kleine war natürlich total happy, dass sie auf meinem Arm durch die Stadt getragen wurde und wackelte begeistert krähend mit Armen und Beinen…Ich war nahezu tot, als wir am Auto angekommen waren.

Aber insgesamt war der Tag sehr lustig und schön. =)

Morgen dann wieder Unterricht…määäääääääh….ich hab sowas von keine Lust…

Werbeanzeigen

3 Kommentare

  1. Wolfgang said,

    *Grins* Das mit den schreienden Partybabys sehe ich vor mir.. und eine amüsiert bis kritisch hin und herrschauende Dana… kann ich mir bestens vorstellen!
    Das Bild oben gefällt mir sehr, die Farbreduzierung hebt die Besonderheit des Gebäudes noch hervor! Klasse fotografiert!
    LG Wolfgang

  2. crosa said,

    Die Mama/Baby Geschichte ist wirklich der brüller ^^.

    Die Farbgebung des Bildes finde ich genial, ich habe in Lightroom ein paar ähnliche Presets, die ich sehr gerne Einsetze. Tolles Bild, Perspektive ist perfekt gewählt.

  3. Dana said,

    Dankeschön. =)

    Die Mama-Baby-Geschichte war im wahrsten Sinne des Wortes ein…oder viele..Brüller. :D…so witzig das hier klingt, so schlimm war es zur „Tatzeit“. 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: