Pralle Wochenenden sind die Pest…

14. September 2008 at 23:09:12 (Allgemein)

Freie Wochenenden…ein LUXUS.

Diesen Luxus hatte ich bestimmt schon seit 1691 nicht mehr. Musiker müssen meist GERADE an einem Wochenende ran. So auch dieses. Man sehnt sich dann immer nach einer fernen Insel…wo keiner etwas von einem will…gut, gerne mit gut gefülltem Kühlschrank, Privatkino, PCstation, Telefon ohne Limit und Einfluggenehmigung für Freunde, wenns mal langweilig wird…

Gut, diese Woche war leider keine Insel dran, also musste ich ausrücken und eine Trauung mit meiner sangestechnischen Anwesenheit beglücken. Die Brautleute hatten mich damals bei meinem Auftritt Open Air gehört und mich spontan für ihre Hochzeit gebucht. Als sie hörten, dass ich auch noch Orgel spiele, buchten sie mich gleich komplett für die ganze Trauung, was meinem Geldbeutel natürlich sehr zugute kam. 😉 Ein Wunsch-Song war „Fields of Gold“ von Sting/Eva Cassidy. Klar, kein Problem, den Song habe ich drauf. Doch eigentlich begleitet mich da eine Gitarre…

„Wie haben Sie sich das vorgestellt?“
„Ach…ich hab ne Freundin, die gut Gitarre spielt…die kann das…“

NIEMALS sowas glauben. Laien (entschuldigung, aber isso) haben KEINE Ahnung, was ein Musiker kann oder nicht. „Sie kann total gut singen!“ kann heißen, dass sie wirklich gut singt oder aber gerade so die Töne treffen kann, wenn überhaupt. Naja, ich ließ mir die Emailadresse geben, um mit ihr eine Probe auszumachen. Dann hatte ich erstmal viel zu tun und der Kontakt blieb liegen. Dann der Anruf:

„Ja…ich wollte nochmal nachfragen, die Gitarristin wartet dringend auf die Noten…“
„Ähm…ich habe da keine Noten. Kennt sie das Stück etwa gar nicht?“
„Äh…nee…“

Na toll. Meine Freunde und ich haben uns das damals einfach von der CD abgehört. Ich rief also Rolf, meinen Freund, an und fragte ihn, ob er bereit wäre, mit mir auf der Hochzeit zu spielen. KLAR, sagte er freudig und so war das geritzt. Gestern trafen wir uns also kurz vorher, um es mal durch zu üben und es klappte auf Anhieb, da wir es ja im Juli gerade erst aufgeführt hatten.

Erinnert ihr euch noch an die Taufe mit den ganzen schreienden Kleinkindern?
Tja…das war nix gegen diese Trauung.

Die Brautleute hatten selbst schon ein einjähriges Kind, das, sobald die Mama und der Papa weg waren (= sobald die Trauung begann) losbrüllte. Die Oma war mehr besorgt um das achsoschicke Hütchen, das den Kopf des kleinen Buben zierte, als um die Störung, die der Kleine damit verursachte. Nachdem er zum dritten Mal den Hut vom Kopf gerupft hatte und weiter schrie, drehte sich die Braut um und gab ihrer Mutter zu verstehen, den Schreihals doch kurz eine Weile DRAUSSEN zu beruhigen. Welch kluge Entscheidung! Da wäre sonst keiner drauf gekommen.

Aber den Vogel schossen drei Mütter ab, die alle Kinder im Alter von ca. zwei Jahren hatten. Sie ließen ihre be-lackschuh-ten Kinder hinten in der Kirche spielen. Die Kids tippelten mit den Hartledersohlen hin und her, johlten, krischen, schmissen zT Stühle um…da fragt man sich wirklich, wie dreist Eltern heutzutage NOCH werden…ich fasse mir da echt an den Kopf!

Rolf sah mich verzweifelt an, weil er sich gerade überlegte, wie wir beide da zart musizieren sollten, wenn es unten eher einem Jahrmarkt glich. Doch wir hatten Glück: anscheinend mochten alle Kinder Musik, jedenfalls war es RUHIG, bis der letzte Ton verklungen war. DANKE, Kids (dass ich mich da überhaupt innerlich bedanke, ist ja schon die Höhe!!!). Ansonsten brachten wir die Trauung halt hinter uns. Da wir auf der Empore waren, konnten wir auch in Ruhe ablästern.

Als ich dann nach Hause kam, freute sich mein Mann, mit Rolf noch ein wenig in Weinsachen zu schwelgen. Die beiden hatten eine Wette laufen, wer die beste Aufnahme eines bestimmten Stückes hatte. Und ICH war diejenige, die das dann klären sollte. Ich hörte mir also beide an, ohne zu wissen, von wem welche war…und entschied mich für die meines Mannes, weswegen Rolf dann zähneknirschend die mitgebrachte Flasche Wein (Wetteinsatz) köpfte und mit Uli leerte.

Ich hatte derweil besseres zu tun, als mich zu betrinken. Ich musste unterrichten.
Wie…an einem Samstag??
Ohja. Folgendes war passiert:

Ich bekam vor ein paar Tagen einen Anruf eines Vaters zweier meiner Schüler.
Ich fragte nach seinem Begehr und er zäumte das Pferd wirklich von hinten auf:
Er sei ja sehr zufrieden mit dem Fortkommen seiner beiden Kinder, ich würde mir ja wirklich viel Mühe machen…er wisse ja, dass sein Großer etwas mehr tun könne, trotz Begabung…es sei halt so, dass der Kerl sehr auf ihn, den Vater, fixiert sei, ihn sehr zum Vorbild nehme…blablabla…KOMM ZUM PUNKT!!!!….und deshalb habe er sich gedacht, bzw seit langem schon den Wunsch gehabt – er spielte ja früher Gitarre und da….KOMM ZUM PUNKT, VERDAMMT!!!…- also den Wunsch gehabt, bei mir Klavierunterricht zu nehmen, damit er eben auch viel üben, später dann sogar Stücke spielen und seinen Kindern dadurch ein Vorbild sein könne.

Ich musste auf der anderen Seite wirklich schmunzeln. Der besagte Herr ist plastischer Chirurg, in meiner Heimatstadt unglaublich angesehen, intelligent, wohlhabend und unbedingt ein Mann, der sagte, wo es langging. Und DER wollte sich nun unter mein Regime begeben? HAHAHA! Wundervoll!
Ich sagte natürlich zu, das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Problem: er könnte nur samstags zum Unterricht kommen und das nur sporadisch. Ich sagte ihm, dass das klar ginge, wenn er sich sonst anstrenge und viel eben selbst mache. Kein Thema, sagte er. Was es denn koste, wollte er noch wissen:

„Naja…normalerweise ist es ja ein Monatslohn…*auf Stundenlohn umrechne*…also **** Euro.“
„WAAAAAAAAAAAAAAS?????“
Innerlich ging ich schon alle Kampfargumente durch, warum ich diesen Preis forderte.
„SOOOOOO WENIG???“
Öhm…hä? Wie jetzt….
„Neneneee, ich zahle Ihnen natürlich MEHR! Sie nehmen sich extra die Zeit, einen Greis wie mich zu unterrichten, das lasse ich mir auch was kosten.“
Er nannte mir dann einen schön höheren Preis.
„Äh…ok, das ist nett.“

Sowas hatte ich ja echt noch NIE. Die Standardantwort: „JA, das kostet so viel, weil…“ habe ich ja schon immer parat, aber SO rum hatte ich es echt noch nie. 😀

Also kam er dann gestern…strahlend wie ein Schuljunge! 😀
„Sie glauben gar nicht, wie ich mich darauf gefreut habe! Mal wieder Musik machen…hachja…“

Naja…von Musik machen waren wir noch weit entfernt! Ich fing mit Fingerübungen an und es war für ihn schon schwierig, seine Chirurgenhände vom kleinen Finger zum Mittelfinger zu bewegen…sehr niedlich. Aber er war mit Feuereifer dabei und es war total goldig zu sehen, wie er sich darüber aufregte, dass sein Kopf das alles kapiert hatte, die Hände aber nicht mitmachen wollten. 😀

Als ich ihm dann alles für das Üben zu Hause erklärt hatte und das Heft zuklappte, saß er da wie ein enttäuschtes Kind:
„Och…schon rum…die Zeit vergeht aber auch SO schnell…“

Den hab ich wohl in der Hand *hihihihihi*

Naja, auf jeden Fall kommt er nun einmal im Monat zum Unterricht und bekommt bis dahin immer einen riesen Packen an Aufgaben, den er bewältigen muss. Ich bin gespannt.

Abends war dann noch Oper im Theater.
Allerdings war ich weder von dem Stück, noch von der Inszenierung sehr angetan. In der Pause sprach ich mit meinem Mann darüber, dass ich dieses Stück für absolute Zeitverschwendung hielt und bekam fast noch Ärger mit ihm, da er es komplett angucken wollte. Wir einigten uns dann so, dass ich nach Hause fuhr und er mit der Bahn dann später nachkommen wollte. Ich sicherte ihm zu, wenn die Bahn nicht fuhr, würde ich ihn holen. Spät am Abend kam er dann doch alleine nach Hause. UND: er war menschlich groß genug, zuzugeben, dass ich Recht gehabt habe. Der Rest des Stückes war noch mehr ein Reinfall, als es der erste Teil schon gewesen war.

Heute gings dann mit einem Besuch bei den Schwiegereltern weiter. Beide über 70 und absolut Loriotverdächtig, wenn es darum ging, den anderen zu verbessern oder irre Gesprächsabläufe zu inszenieren. Herrlich. 😉 Aber rumgebracht habe ich den Tag dann auch…und nun genieße ich meine Ruhe…die letzten Stunden…

…bevor der Stress des Alltages wieder losgeht…

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