Von Frankfurt, Müll und Sonnenbränden

17. Juni 2009 at 14:06:41 (Allgemein)

Huhu!

Nachdem ich eben auf sehr „liebevolle“ Weise gefragt wurde, ob das Blog tot ist: NEIN. Nur weil ich nicht mehr so viel Zeit zum Schreiben habe, heißt das nicht, dass hier nie wieder was passiert. Ich brauche nur Zeit und Muße. Und nun hab ich sie!

Heute möchte ich euch von meinem wirklich schönen Tag in Frankfurt am Samstag erzählen. =)

Mein allerbester Fotofreund Tom und ich hatten in der letzten Zeit öfter überlegt, wohin wir unsere nächste Tour machen. Wir sind beide von der Arbeit echt gestresst und die Fotografie ist DER Fluchtweg, ab und an da rauszukommen. Aber was? Ich war die letzte Zeit total „runtergebrannt“, was Fotomotive angeht, war mit mir selbst nicht mehr wirklich zufrieden, grummelte so vor mich hin…wie man das halt kennt, so in Selbstmitleid badend. 😉 Und dann habe ich mal die Möglichkeit ergriffen, in meinem einen Fotoforum einfach mal nach guten Möglichkeiten in Hessen zu fragen. Tom und ich fotografieren gerne Architektur und Details, daher freuten wir uns, dass ein paar User antworteten und uns ein paar Ideen gaben. Doch dann bekam ich eine private Nachricht eines Users, der sich im Forum noch NIE zu Wort gemeldet hatte. 0 Beiträge. Er bot sich spontan als Stadtführer durch Frankfurt an. Als Rentner UND Frankfurter UND Hobbyfotograf bestens prädestiniert dafür, ein paar ausgebrannte Menschlein glücklich zu machen.

Spontan schlossen sich noch vier weitere liebe Menschen an und wir zogen am Samstag um elf zusammen los.

Die Hinfahrt war schon recht…ereignisreich. Um zehn wollte Tom bei mir sein, so dass wir zusammen nach Frankfurt fahren könnten, doch als ich um halb zehn auf mein Handy schaute, sah ich drei vergangene Anrufe von ihm, die schon alleine durch ihre Häufigkeit irgendwie panisch aussahen. Ich rief zurück:
„Na, was is?“
„Mein Auto ist verreckt.“
Man konnte seine Enttäuschung durch den Hörer vernehmen.
Sein Auto zickt schon eine ganze Weile immer mal wieder und gerne pünktlich, wenn man es grad GAR nicht braucht. Nunja, er ließ es in der Werkstatt stehen (fahren konnte es ja auch nicht mehr, das arme Ding) und nun war guter Rat teuer. Dann kamen wir auf die glorreiche Idee, er möge doch mit dem ZUG nach Frankfurt fahren. Da ich da zwei unserer Mitstreiter sowieso abholen musste, konnte Tom dann dort einfach dazu stoßen.

Ich fuhr also alleine nach Frankfurt los, kämpfte mich heldenhaft durch Baustellen und den Verkehr und kam nur ein paar Minuten später am Bahnhof an. Dort lud ich die drei „Gestrandeten“ ein. Obwohl Tom und ich die anderen beiden vorher nicht kannten, war schnell klar: man versteht sich gut. Und weiter ging’s zum Treffpunkt mit unserem Stadtführer Gundolf. Da ich eine sehr Pünktliche bin, sage ich meist Bescheid, wenn ich mich auch nur fünf Minuten verspäte. Ich hasse es, wenn jemand auf mich warten muss und nicht weiß, warum. Da ich nicht wusste, wie schnell wir am Treffpunkt durch Frankfurt durch sein konnten, schrieb ich G. vor Ankunft am Bahnhof eine sms, dass wir uns wahrscheinlich etwas verspäten, weil ich die Leuts noch am Bahnhof abholen müsse. G. antwortete, er werde warten. Doch waren wir dann nur drei Minuten zu spät. Ich schrieb also G. eine zweite sms, dass wir nun da seien. Er antwortete: „ich komme sofort!!“…wir warteten.
Und warteten.
Knipsten schon mal bisi.
Und warteten.

Dann sahen wir ihn auf uns zulaufen und wir erfuhren, dass er dachte, ich würde die drei am Bahnhof MEINER Heimatstadt abholen, daher hatte er sich Zeit gelassen („wer ruft schon wegen so einer leichten Verspätung an??“ „Ähm…ich….“) und wir hatten ihn mit unserer „lediglich-Dreiminuten-Verspätung“ total gehetzt! 😀 Wir hatten uns direkt am Main verabredet und erklommen erstmal die Eisenbahnbrücke. Alleine dort gab es schon die tollsten Bilder zu machen, ich war begeistert und die Anderen auch. Die Sonne schien, der Himmel war knallblau…einfach toll! Jeder Spaziergänger, der mit uns unterwegs gewesen wäre, hätte spätestens nach 20 Minuten einen Schreikrampf bekommen, denn wir brauchten ungefähr eine knappe Stunde, bis wir von der Brücke runter waren! 😀 Immer wieder schmiss sich einer fast auf den Boden, hängte sich halb über das Geländer, starrte in die Luft oder riss die Kamera herum. Ich glaube, wir versuchten viermal, die Brücke zu verlassen, kein einziges Mal klappte es. 😀

Hier mal das ein oder andere Bild von der Brücke:

Frankfurt 023SF

Frankfurt 029SF

Frankfurt 075SFsw

Das letzte Bild machte ich mit einem Riesenteil. 😀 Man kennt das ja…Männer und die „längsten Dinger“…es traf auch hier zu. 😉 Mit „Riesenteil“ meine ich das Objektiv.  Dominik hatte ein 150-500er dabei (für Nichtfotografen: Riesen-Kamera-kippt-fast-um-Objektiv-Teil, mit dem man gaaaaanz weit Entferntes gaaaaanz nah ranholen kann…) joah, macht schon Spaß mit so einer Tüte zu knipsen! Lustig auch, wie Leute drauf reagieren, die uns begegnen. Die einen starren. „Ui…FERNSEHEN, Film…“…die anderen betrachten einen mit einer leichten Skepsis, manche belächeln es auch…aber ICH muss sagen, ich habe mich schon lange nicht mehr SO wohl gefühlt wie an diesem Tag.

Man steht da auf der Brücke, die Skyline liegt vor einem, das Wetter ist so wunderbar, die Sonne wärmt den Buckel…und man ist mit Leuten unterwegs, die man mag und mit denen man Gedanken austauschen kann. Toll. Mit G. hatten wir auch einen wirklich sympathischen Menschen erwischt, der die Ruhe selbst war und geduldig wartete, bis wir all das aufgenommen hatten, was wir wollten. Gerne beantwortete er Fragen und unterhielt sich mit uns. Anfangs war ich ja schon skeptisch, mich mit jemandem zu treffen, den ich gar nicht kenne…aber ich merke immer mehr, dass Leute, die dieses Hobby mit mir teilen, wirklich durch die Bank  „g’scheit“ sein müssen. 😉

Da wir noch auf zwei Mittäter warten mussten, setzten wir uns unter dieser Mainbrücke in ein Café. In mir drin war irgendwie pures Glück. Kennt ihr das, wenn etwas richtig toll und ziemlich perfekt ist…und man wird dessen gewahr? Man fängt an zu strahlen und in einem drin ist einfach nur Freude. So einen Moment hatte ich dort. Ich saß in der Sonne, hatte mein kühles Getränk vor mir, genoss die Stimmung…schön.

Aus irgendeinem Grund kamen wir auf das „Kugelthema“. Für alle Nicht-Insider: ich habe in dem Fotoforum ein Thema laufen, in dem es um Kugeln geht und alle auch nur irgendwie fotografierten Kugeln dort Einzug halten. Ich hatte meine Glaskugel dabei und Dominik und Markus interessierten sich dafür, mal mit ihr zu fotografieren, worauf ich sie ihnen mitgab und die beiden freudig abzogen. Ich schmunzelte, als sie kreuz und quer auf dem Platz standen und lagen, sich verbogen, um gewisse Aufnahmestellungen hinzubekommen. Ganz begeistert kamen sie dann zurück und gaben mir die Kugel wieder. Ich legte sie auf mein Poliertuch und schaute mir die Fotos an.

Plötzlich schaute ich auf das Tuch…öhm…hatte Markus etwa ein Insekt drin zerquetscht? Irgendwie sah es so fleckig, nass und eklig aus an zwei Stellen…wir guckten alle genauer hin, dann riss ich die Kugel vom Tuch!
„WARGH! Die brennt Löcher da rein!!!!“
Mein schönes Poliertuch! Mikrofaser!

Es war so blöd, dass wir total lachen mussten, auch wenn mein Tuch nun zerstört war. Klar, man weiß, dass man bei Lupen aufpassen muss. Aber dass das auch für Kugeln gilt, war uns erst hinterher klar! 😀

MEMO: niemals Kugeln in praller Sonne auf Brennbares legen!

Als dann Holger und seine Frau Astrid zu uns gestoßen waren, ging es am Osthafen entlang…direkt am Main, ins Industriegebiet.

Frankfurt 121SF

Frankfurt 164SF

Für Fotografen gab es einiges zu sehen, allerdings wurde es immer heißer und wir bekamen langsam Hunger. Nun hatten wir die Möglichkeit, zurück, über die Brücke zu gehen oder weiter zu laufen und durchs Industriegebiet auf die andere Mainseite zu kommen. Wir entschieden uns für Letzteres, was uns einen 10km-Gewaltmarsch einbrockte. 😀 Aber auch wenn es sehr warm war, es wehte ein kühler Wind und das Gehen durch das Gebiet war für mich total klasse. Wir kamen an einer Papierverwertungsanlage vorbei und ich sah begeistert, dass die Tore offen waren und kein „Vorsicht, bissiger Hund!“ in der Nähe war. Ich stürzte mich zwischen die gestapelten Papiermüllquader und dabei entstand dieses Bild:

Frankfurt 041SF

Ja, ich weiß, Fotografen haben gerne mal nen Knall….aber mir machen gerade solche Sachen total Spaß. Auch Müll fotografieren gehört da dazu. 😀

Nachdem wir dann eine ganze Weile gelaufen waren, konnten wir endlich den Main überqueren und nun hielt uns nichts mehr, nur noch der Heißhunger trieb die Gruppe.  In einer Frankfurter Main-Kneipe gab es gutes Essen, fast alle tranken einen kompletten Liter Schorle oder Wasser und dann mampften wir fröhlich mit sonnengeröteten Gesichtern. Nach dem Essen, als wir wieder bei unserem Anfangstreffpunkt angelangt waren, trennten wir uns. Holger und Astrid fuhren heim, Gundolf verabschiedete sich (wir sind dir wirklich sehr dankbar, Gundolf, es war ein toller Tag!) und wir restlichen vier stiegen in mein Auto. Dominik wurde schnell am Bahnhof rausgeworfen, während Markus, Tom und ich noch das Bankenviertel etwas unsicher machten. Allerdings merkte ich nun auch, dass ich schon echt müde war…somit durften die beiden immer mal einen schweren Seufzer ertragen. 😀

Frankfurt 252SF

Frankfurt 272SF

Als wir durch einen der kleinen Frankfurter Parks gingen, sahen wir ein paar Häschen. Ich finde die ja unglaublich süß, aber meist sind sie doch recht scheu. Dann liefen wir an einem Exemplar vorbei, dem es anscheinend völlig wurscht war, ob wir da standen und es anguckten. Es fraß und ließ sich nicht stören. Da wir aber noch das ein oder andere Hochhaus mitnehmen wollten, ließen wir es bei seinem Mahl alleine. Als wir aber zurück kamen, hatte es sich vor einen Busch gelegt und sah uns friedlich an.

Und da MUSSTE einfach die Kamera nochmal her! Zu süß!

Frankfurt 303SF

Ich hab noch nie einen Hasen/Kaninchen erlebt, das so ne coole Sau war. 😀 😀

Anschließend brachte ich erst Markus, dann Tom heim, der sich schon drauf freute, am Montag zur Arbeit radeln zu müssen, da das Auto wohl eine Weile in der Werkstatt bleiben würde…und dann war ich echt froh, als ich endlich zu Hause die Füße hochlegen konnte!

Dann kam noch eine Überraschung:
Ich hatte EXTRA eine dünn gewebte Bluse über den Schultern gehabt, damit ich nicht „verbrenne“ in der Sonne…die Sonne war DURCH DAS GEWEBE DURCHgegangen und hatte meine Schultern ziemlich stark gerötet. GNAAAA….und ich hatte noch die Sonnencreme vorher abgelehnt „Nö, ich krieg keinen Sonnenbrand, wo auch…“ Jaja, Dana, das nächste Mal etwas mehr Demut und schön eincremen! 😀

Insgesamt aber ein wirklich, wirklich schöner Tag.

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