Von Schnee, noch mehr Schnee, einem kalten Kölner Dom und noch kälteren Weihnachtsmärkten

22. Dezember 2010 at 22:12:21 (Allgemein)

„Weißte Schatz…ich würd SO gerne heute den Schnee fotografieren“

Ja, seit wann hatte es denn das letzte Mal SO geschneit? Der Oberhammer! Nur, wann sollten wir diesen Wunsch in die Tat umsetzen? Ich musste arbeiten, mein Mann musste arbeiten…so beschlossen wir, in unserer  Mittagspause einfach mal rauszugehen. Zeitfenster: eineinhalb Stunden mit Fahrt und allem drum und dran. Mittagessen: fiel aus. Wir wollten lieber gerne in die Natur.

Ich hatte vorher noch Physiotherapie und hatte eine Sache nicht bedacht: festes Schuhwerk und dicke Strümpfe! Zur Therapie geh ich immer ohne Socken und mit Schlupfschuhen, die hinten offen sind, damit ich schnell aus- und angezogen bin. So fotografieren zu gehen, war natürlich eher waghalsig, bzw absolut gedankenlos. Oder hatte ich vergessen, wie hoch der Schnee war?

Ja, das war mir nicht so wirklich im Kopf gewesen, als wir nach der Therapie losfuhren, die Kameras im Gepäck. Aber mir war es dann egal, ich wollte raus. Eigentlich wollten wir irgendwo in den Wald. Ging nicht, der Schnee lag einfach ZU hoch und war noch nicht herunter getrampelt. Wir schauten noch an zwei, drei anderen Stellen, dann verließ uns der Mut. Weder der Hund, der in der Höhe nur 30cm misst, hätte da eine Chance gehabt, noch ich mit meinen Barfüßen.

Dann kamen wir aber bei der Rückfahrt an einem unserer größeren Teiche vorbei, der komplett zugefroren war. Ich hatte beim Hinweg von der Straße aus schon gesehen, dass dort Boote in den Teich eingefroren waren und mein Mann wollte gerne einmal näher dran, einfach um zu gucken.

Auch hier war alles noch kompletter Neuschnee, kaum eine Spur, lediglich auf dem Parkplatz war für einige Autos freigeschaufelt worden. Trotzdem…ihr kennt das sicher, wenn das Fotografenherz voll ausschlägt?? Und das war hier der Fall! EGAL, dass ich keine Socken anhatte, ich MUSSTE da hin! Diese Boote, dieser glitzernde, unberührte Schnee…ich musste einfach. Mein Mann freute sich wie ein kleines Kind, der Hund hüpfte, den Schnee immer fast auf Augenhöhe, wie ein Känguru über die weißen Flächen…es war einfach malerisch schön!

Der Schnee drang mir in die Schuhe, unter die Fußsohle, meine Füße waren warm, alles an mir war warm, einfach weil die Motive so herrlich waren.

Diese Bilder schoss ich:

Und nein, ich bin nicht krank geworden. 😀

Es ist auch so schön, einen Partner zu haben, der das mit einem teilen kann, weil er es versteht. (*meinen Mann abschmatz!!* )

Am nächsten Tag hieß es dann früh aufstehen, da wir den Tag  in Köln geplant hatten. Wir wollten ein paar der Kölner Weihnachtsmärkte besuchen und in den Dom fotografieren gehen. Die Fahrt nach Köln war schon furchtbar. Hätten wir mal Verkehrsfunk gehört. Die Fahrbahn war glitschig, in der Gegenrichtung zählten wir 16 km Stau, nachdem ein LKW bis auf unsere Fahrbahn hinüber geschlittert war und die Leitplanke durchbrochen hatte. Dann bei uns: Stau. Komplette Sperrung der Autobahn. Da wir gerade an einer Ausfahrt waren, fuhren wir ab und hielten in einer Straße an, um den neuen Schlachtplan zu überlegen. Als wir weiter fuhren, fuhren wir noch einmal über die Brücke, unter der die Autobahn verlief…ah, frei!! Anscheinend hatten sie gerade die Straße wieder geöffnet. Wir fuhren also weiter auf der Autobahn und kamen zwar mit Verspätung, aber ohne große Probleme in Köln an. Gegen drei dann fuhren wir zum Dom weiter.

Während wir in der Kälte, zwischen sehr vielen Menschen auf zwei Fotokollegen warteten, sah ich zwei…ja…was?  Turmfalk-Möwen? Auf jeden Fall SEEvögel, die um einen Kirchturm flogen…das ist schon etwas seltsam! 😀

Ich HASSE Menschenmengen. Ich mag das gar nicht. Doch es war der Wunsch meines Mannes gewesen, mal „Rumsausbilder“ von den Weihnachtsmärkten zu machen und auch im Dom mal mit Stativ zu fotografieren. Wir hatten uns extra Genehmigungen geholt und marschierten frohgemut hinein.

Drinnen wurden unsere Genehmigungen genauestens studiert und wir mit einem „dann machen Sie mal“ durch gewunken. Die Fotos mit Stativ darf ich leider nicht zeigen, aber die anderen Bilder. Im Dom wurden wir dann des öfteren angehalten (die sind da sehr aufmerksam) und mussten brav unsere Blätter vorzeigen, dass wir mit den Stativen hier fotografieren durften. Im Dom war es, obwohl viele „Aufpasser“ schauten, dass Mützen abgenommen wurden etcpp, wie in einem Bienenhaus. Führungen liefen, Menschentrauben taumelten Führerinnen hinterher, dauernd wurde man aus Kompaktknipsen angeblitzt, so dass man halb blind war (im Dom war es recht dunkel, gerade zu fortgeschrittener Zeit)….also nicht gerade erbaulich.

Ich machte mir also einen Sport draus, immer genau dort zu sein, wo die vielen Menschen nicht waren…und es gelang durchaus!

Das Blöde nur: im Dom war es schweinekalt. Anfangs ging es noch, da ja kein Wind geht, aber mit der Zeit kroch die Kälte nur so unter die Klamotten. Ich hatte schon vier Schichten angezogen, plus Schal, plus Taschenöfen…doch ich begann jämmerlich zu frieren.Mein Mann brachte alles, was wir nicht mehr brauchten, zum Auto und dann gingen wir erstmal einen Kakao trinken und uns aufwärmen. Unser einer Fotokollege konnte einem großen Stück Frankfurter Kranz nicht widerstehen…und ich fand es lustig, dass er sich gerade einen Kuchen, der quasi eher aus meiner Heimat kommt, ausgesucht hatte.

Frisch aufgewärmt, ging es auf den Weihnachtsmarkt neben dem Dom.

Ich war genau fünf Schritte auf die Pforte des Marktes zugegangen, als ich auch schon wieder weg wollte. Es war SO voll! Die Menschen traten sich auf die Füße, zwängten sich aneinander vorbei, rempelten sich an – für ein „Sorry…“ keine Zeit. Betrunkene Jugendliche gröhlten und lärmten herum… Dazu war es einfach schauerlich kalt, weil es auf der Domplatte einfach immer sehr zieht. Ich zitterte wie Espenlaub und legte mir verschiedene Strategien zurecht, das zu überleben. Wir waren ja extra dafür hergekommen und mein Mann sollte seinen Spaß haben. Den hatte er auch!

Viele Leute blieben stehen und schauten erstaunt und fasziniert, wenn er seinen sechs Meter langen Funk-Masten ausfuhr, an dem oben die Kamera dran „baumelte“. Wir hörten immer wieder „Google Street View!!“ und viele überlegten sich, was da wohl gerade passiere. Unsere Fotokollegen hatten dieses Verhalten vorher noch nie miterlebt, da sie mit uns und der Stange noch nicht unterwegs gewesen waren. Für sie war es das pure Vergnügen, während der Pano-Schüsse an der Stange, das umstehende Publikum zu beobachten. Sie hatten einen Spaß dabei, zuzusehen, wie die Münder immer weiter auf gingen, wie sich wispernd darüber unterhalten wurde, was da gerade passierte. Mein Mann schoss mehrere Aufnahmen vor und im Weihnachtsmarktgelände, dann machte er auch ein Kugelpanorama direkt von der Mitte aus, aber danach hatte selbst er genug. Es war einfach so voll, dass man nicht mal in die Richtung gehen konnte, in die man selbst gehen wollte. Man hatte nur die Möglichkeit: Mit der Masse oder untergehen.

Ein bisschen gelohnt hatte es sich aber für mich, da ich an einem Stand einen kleinen Holzelch entdeckte, der auf einer Mondsichel saß. Ich sammele doch Elche und gerate immer in Verzückung, wenn ich welche sehe. Plötzlich hing er da nicht mehr…wo er wohl hingekommen war? 😀 Und mein Mann hatte plötzlich eine Tüte in der Hand, in der „Kölner Luft“ sei, wie er beteuerte…hach, herrlich.

Ich selbst schoss auf diesem Weihnachtsmarkt wenige Fotos. Wenn es mir nicht gut geht, leidet auch mein Blick darunter.

Köln hat ja kein Salz. Das bedeutet, es ist überall matschiger und SEHR rutschiger Schlamm! Wir ließen vorsichtigen Schrittes (insofern das möglich war) den Dom-Weihnachtsmarkt hinter uns, um hinunter zum „Neu-Markt“ zu gehen, dessen Weihnachtsmarkt schöner sein solle. Köln hat viele Weihnachtsmärkte, ein paar davon sind zu Fuß zu erreichen, wir machten uns also auf den Weg.

Mir war SO kalt. Und es war so rutschig und so voll. Auch in der Fußgängerzone mussten wir, wenn wir stehen blieben, damit rechnen, halb umgerannt zu werden, kreuzen ging fast gar nicht. Schön dem Fluss nach. Ich machte auf diesem Weg gar keine Fotos, sondern beschränkte mich aufs Frieren.

Unten beim Neu-Markt angekommen, konnte man schon sehen, dass dieser Weihnachtsmarkt wirklich besonders war. In der Luft hingen leuchtende Sterne…das war so schön! Und der Mond schien auch…

Der Markt war auch nicht so voll wie der andere, es ließ sich besser gehen, mir war beim strammen Laufen wärmer geworden, so konnte ich das auch mehr genießen. Mein Mann schraubte seinen Mast hoch, begleitet von den typischen starrenden Blicken der Menschen um uns herum, als von hinten eine freundliche aber strenge Stimme sich meldete: „Haben wir denn dafür eine Genehmigung?“ Oups…DAFÜR hatten wir natürlich keine. Mein Mann versuchte es noch mit einem „brauchen wir denn eine?“, aber der nette Herr vom Sicherheitsdienst schaute nach oben, legte den Kopf in den Nacken und betrachtete die Kamera, die in sechs Metern Höhe in den Bäumen hing. „Ähm…nuja, wenn ich mir Ihr Gerät so ansehe…JA.“

Einer unserer Fotokollegen, der auf den Neu-Markt mitgekommen war und ich warteten mit bangen Mienen, während mein Mann zum Veranstalter mitgenommen wurde. Wir überlegten, was dieser jetzt mit ihm machte… Nach ungefähr zehn Minuten (es kam uns vor wie Stunden) kam er wieder. Sein Gesicht: ausdruckslos.

Was war passiert???

Als er bei uns ankam, stellten wir natürlich diese Frage gleich. Mein Mann ließ sich mit der Antwort ein wenig Zeit, dann aber grinste er bis über beide Ohren:
„Der Veranstalter meinte, ich solle ja schöne Fotos machen und er kaufe mir dann welche ab!!“
Neee, was ein Jubel! 😀
Die Sicherheitskräfte auf dem Weihnachtsmarkt wurden anscheinend alle eingeweiht, jedenfalls, egal, wo wir hinkamen, immer ein großmütiges Nicken und ein Grinsen. Mein Mann und sein Hochmast waren überall die Attraktion schlechthin, wir, die wir mit liefen und ebenfalls „dicke Apparate“ umhängen hatten, natürlich auch, an normales Weihnachtsmarktfeeling war nicht wirklich zu denken… 😀 Aber ich gönnte es ihm von Herzen, es war einfach sein großer Wunsch gewesen.

Ich habe ein paar Detailfotos geschossen:

Und damit die, die nicht in unseren Fotoforen sind und hier mitlesen, auch mal eine Ahnung bekommen, was es bedeutet, wenn man ein Kugelpanorama schießt mit einem 6-m-Stab, hier der Link zu den Panoramen, die mein Mann geschossen hat:

http://abbund-cad-service.de/markt-der-engel/

(Link bitte in eure Browser kopieren, ich krieg das mit der Verlinkung mal wieder nicht hin….dann Bild groß klicken, mit der Maus aufs Bild fahren, mit gedrückter linker Maustaste einfach ziehen und im Bild rumkreisen. Es dreht sich in alle Richtungen)

Als es dann gegen 20.00h ging, war mir dann einfach zu kalt. Meine Finger ließen sich nicht mehr krümmen, mein Gesicht fühlte sich an wie taub. Da auch die beiden Männer langsam genug gesehen und geknipst hatten, machten wir uns auf den Weg zurück. Netterweise fuhren mein Mann und ich dann Straßenbahn zurück zum Auto, ich muss mitleiderregend ausgesehen haben. 😀

Insgesamt waren es zwei schöne Fotoerlebnisse…und auch wenn es so kalt war…alleine mit der Kamera in der Hand mal wieder Eindrücke aufzusaugen, war all das wert.

=)

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1 Kommentar

  1. oteske said,

    Hi, morsche,

    ein recht schöner Blog, Du scheinst Dir auch viel Mühe zu geben.
    Prima, Weiter so!

    Gruß
    Oli

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