Photokina – aus der Sicht eines Technikschafs

26. September 2010 at 18:09:49 (Allgemein)

Für die, die nicht wissen, was die Photokina ist:

Das ist die große Messe für Fotografie in Köln. Dort bauen alle Anbieter von Kameras, Fotozubehör, Fotosoftware, Fotoclubs etcpp ihre Stände auf und man kann als Fotograf/Hobbyfotograf oder einfach nur als Interessierter dort hingehen und sich alles anschauen. So taten das auch mein Mann und ich.

Der Wecker klingelte um sieben Uhr. Für manche eine Zeit, wo sie schon längst auf dem Weg zur Arbeit sind, für eine Musikerin, die durch den Arbeitsplan einen anderen Tagesablauf hat, TÖDLICH.

Aus dem Bett direkt ins Bad gefallen, halb bewusstlos das Gesicht in einen ertragbaren Zustand gebracht, in Trance einen Toast hineingestopft, ging es dann los. Mein Mann ist gefahren, gottseidank, wer weiß, wo ich gelandet wäre.

Wir ließen das Auto etwas außerhalb und fuhren dann mit der S-Bahn noch zwei Stationen „landeinwärts“. Ich war total aufgeregt (und deshalb auch doch langsam wach), denn ich freute mich erstens riesig und zweitens hatte ich die Hoffnung, viele Menschen aus meinem Fotoforum zu sehen, die ich noch nicht kannte. Das ließ mir das Adrenalin doch steigen.

Am Abend vorher war Kölner Foto-Stammtisch gewesen und das war auch schon total nett gewesen. Allerdings waren da kaum Leute, die ich nicht kannte, daher hoffte ich auf diesen Tag.

Nuja. Bevor wir uns dann durch den Drehtür-Engpass gewühlt hatten (ich hatte ja, bis wir durch waren, die Angst, dass diese ausgedruckten Internet-Karten irgendwie nicht funktionieren…), winkte es von der Masse auf der anderen Seite wild. Eine Bekannte aus dem Fotoforum kämpfte sich durch, strahlend und wir freuten uns sehr, uns endlich mal zu sehen. Sie war mit ihrer Frau zur selben Zeit wie wir angekommen und so liefen wir erstmal zusammen los.

Mir machten die Massen jetzt schon Bauchweh, ich hasse Menschenansammlungen…aber da muss man dann halt an einem Messetag durch. 😉 Zuerst ging es in den Hallenteil von Sony. Die Halfpipe mit den Kunsträdern und Skateboards war toll, allerdings war das Bildermachen schwierig. Einfach schon jetzt zu viel los.

Dafür war das „Sony-Modell“ ein ganz goldiges.

Mein Mann und ich wollten um elf beim Pressezentrum sein, um dort zu schauen, wer von unserem Forum alles dort in dem für uns zur Verfügung gestellten Raum war und ob es einem User unseres Forums gelungen war, von Tamron (einer Objektivmarke)

Auf dem Weg dahin kam uns schon eine Userin unseres Forums entgegen, eifrig mit einem französischen Herrn ins Gespräch vertieft. Da wir uns kennen, grüßten wir uns freundlich, wir wollten ja auch nicht stören. Später fiel ihr dann ein, dass sie uns ja hätte vorwarnen können, dass der Tamron-Termin insgesamt geplatzt war… 😀 Aber hey, wir wollten ja eh mal schauen, wer da so alles gekommen war. Neulinge, die ich nicht kannte? Kurz vor der Tür des Pressezentrums hörte ich plötzlich ein „Mahlzeit!“ und dieses Wort wagt sich nur EINER hier zu mir zu sagen! (Insider: ich kann das Wort „Mahlzeit“ als Gruß um die Mittagszeit nicht leiden, ein User zog mich damit immer und immer wieder auf, indem er Punkt zwölf irgendwo im Forum MAHLZEIT! schrieb… 😀 ) Ich war total überrascht, hätte ich diesen „alten Bekannten“ unseres Forums doch absolut da nicht erwartet, hatte er ja keinen Piep gesagt, dass er da ist.  Und das Allerschlimmste: es war erst kurz nach elf! Viel zu früh für ein Mahlzeit!!

Die Gruppe, die wir vorfanden, war eher kläglich (von der Größe her), leicht frustriert und reif für einen Kaffee. Doch der Mensch des Pressezentrums ließ uns nicht in die Caféteria, da wir alle keine Presseausweise hatten. Weder eine männliche Argumentation, noch ein weiblicher Dackelblick (die Freundin eines Users und ich gaben unser Bestes) ließen sein Herz erweichen. Er schickte uns „vor die Tür“, sorgte vorher aber dafür, dass wir diese auch wieder durchschreiten durften (normalerweise gilt die Karte der PK als Tageskarte nur, bis du wieder das Gelände verlässt).

Wir teilten uns daraufhin, denn mein Mann und ich waren ja gerade erst angekommen und wollten erstmal was sehen und nicht schon wieder sitzen und Kaffee schlürfen. Zwei Freunde schlossen sich uns an, die anderen marschierten zielstrebig in Richtung des Leben spendenden Koffeins.

Wir hatten NULL Ahnung, wo was war. Gott segne eine gute Vorbereitung…wir waren da eher ungesegnet. Von Infostand zu Infostand, mit kleinen beschriebenen Zetteln der freundlichen Mitarbeiterinnen mit Hallennummer und Standnummern, schlugen wir uns aber tapfer durch!

Mein Mann wollte natürlich als Panorama-Spezialist zu den Panoständen in Halle 4.1, einer unserer Freunde begleitete ihn. Da ich mit der Userin vom Anfang ausgemacht hatte, sie und ihre Frau um kurz vor zwölf zu einem kleinen Trunk nochmals zu treffen, ging ich zu Sony hinein, wo ich mich noch etwas genauer umschaute. Ich schaute mir die „Unaussprechliche“ an…das Prototyp-Modell von einer Sony-Kamera, die wohl irgendwas zwischen der 500er Reihe und der 700er Reihe werden soll, aber keiner Genaueres weiß. Nett. Sieht gut aus. Mehr lässt sich da ja nicht gerade sagen. Die NEX und auch die 33 und 55 von der Alphareihe interessierten mich absolut überhaupt nicht, ich habe eher den Entschluss gefasst, auf eine 850 zu sparen.

Bei dem ganzen Geheimnistuereigedöns von Sony überlegt man sich sogar, insgesamt langsam zu wechseln, damit man nicht irgendwann vor unverkäuflichen Dingen steht, aber noch habe ich ja Hoffnung.
Das 4/500 von Sony lag ebenfalls in der Vitrine…als Attrappe mit Aufklebern versehen…bah. Aber in echt sicher ein schönes Gerät!

Plötzlich tauchten Gruppenteile der Koffeintruppe auf! Ähm. So schnell wollten die also ihre Kaffees und Lattes und was der Geier getrunken haben?! Ein Blick auf die Gesichter sprach Bände.

„War zu…..“

Also kein Kaffee und ein kompletter Viertelstundenmarsch „vor die Tür“ für die Katz. Auch viele Snackpoints im Messegelände waren dicht. Und ausgerechnet an dem Tag hatte ich nen Dauerbrand. Von einer Getränkeflaschen zur nächsten hab ich mich gehangelt.

Mit den beiden Frauen ging es dann zurück zu Halle 4.1, wo wir alle zusammen dann je eine Bockwurst aßen, eine 0,2 Cola tranken…und für zwei Leute 10 Euro am Tresen ließen. Puh. Ich habe vergeblich das Blattgold gesucht, mit dem die Wurst wohl gefüllt sein musste… Die Kellner dort waren sehr eifrig. Sobald auch nur ein Teller leer SCHIEN, stürzten sie sich drauf. Die eine musste ihre noch halb volle Flasche Eistee verteidigen, mir wurde meine Serviette entführt, worauf ich theatralisch herum heulte und der Kellner mir sofort eine neue brachte. Und nicht nur das, kurz darauf kam er und hatte mir sehr kunstvoll eine gefaltet, die er mir dann, unter dem Gelächter des Tisches, auch noch kredenzte. 😀

Nachdem wir gegessen hatten und ich die Serviette einsteckte (ich brachte es nicht übers Herz, sie zu benutzen und dann wegzuwerfen), trennten wir uns, da die beiden Frauen noch schnell zu Canon wollten, bevor sie wieder nach Hause flogen (sie waren aus Österreich gekommen) und wir noch nicht genau wussten, was wir nun taten.

Aber irgendwie landeten wir dann auch in der CANON-Halle. Und da beobachtete ich Merkwürdiges.  Eine schöne Halle, vollgestopft mit Menschen…alle mit rotschwarzen Canon-Bändern um ihren Hals. Und dann…

Ein schäler Blick auf meine Sony-Kamera.
Ein genaueres Hingucken mit leichtem Verrenken des Kopfes.
Ein leicht verächtlicher Zug um den Mund…
Ein Weitergehen (und ich meine, ich hätte ein sanftes Kopfschütteln bemerkt!!)

Und das passierte mir da drin nicht nur einmal! Ich finde es mehr als ätzend, wenn man nach seiner Kameraausrüstung eingeschätzt und bewertet wird. Am liebsten hätte ich gesagt: „Ey, alta!! Gehnmir raus unn machn Bättel!!!!“ Unser Freund, als Canonier, sagte aber später, dass er genau dieselbe Erfahrung in der Sony-Halle gemacht habe.

Ich find’s zum Kotzen, ehrlich. Dieser Markenkampf nervt wie Hulle (ja, Hulle rauscht nicht nur, er nervt auch!!) und, auch wenn es immer so als wiiiitzig abgestempelt wird und dass man ja niiiix ernst meint, es kommt immer wieder durch. Und wenn ich dann den berühmten Spruch „so? NIE!“ höre, dann denk ich echt immer, wie schwachmatisch Leute doch sind… Anscheinend denken doch mehr als ich dachte, es käme vor allem auf die Kameramarke an, die man um den Hals hängen hat und nicht auf den Fotografen dahinter.

Die beiden Österreicherinnen liefen uns über den Weg. Wir hatten uns ja schon verabschiedet, umso lustiger war es, dass wir sie nun im Zweiminutentakt irgendwo sahen.

Ich hatte inzwischen meine Orientierung komplett verloren und wunderte mich so auch nicht, dass wir zum 345876. Mal an der Stuhlreihe mit den Masseurinnen und Masseuren vorbei liefen. Meine Füße begannen langsam den imaginären Finger zu heben und darauf zu verweisen, dass es sich mit medizinischen Strümpfen auf Dauer doch nicht so gut laufen lässt…die sind nämlich ohne Zehenteil und rollen sich ein.

Wusste ich vorher nicht und merkte, wie die Fußsohle immer mehr in Blasen aufging. Jeder Schritt schmerzte immer mehr…ja, ich bin eh die Queen im mir-selbst-Versauen von solchen Events. Also schon gewohnt. Ein weiterer Freund und Kölner stieß zu uns. Er hatte sich daheim etwas mehr Zeit gelassen, war erst jetzt auf die Photokina gekommen und lud uns auf ein Eis ein (leckaaaa!!!!) Wir schleckten selig eine Runde, während um uns rum die Messewütigen rannten. Draußen, in einem Zwischenhof, war ein etwas erhöhter Platz eingerichtet, auf dem angekettete Greifvögel einer Flugshow auf Aktion warteten. Massen an Fotografen unter ihnen (hoch durfte keiner), die fotografierten und fotografierten…Licht steil von oben, Vogel angestrengt weit über ihnen…hm. Naja, ich sag nix.

Insgesamt war das für mich eher ein trauriges Bild. Die Vögel waren die ganze Zeit diesen Menschenmassen und dem Lärm ausgesetzt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das für die armen Tiere stressfrei war. Und so was kann ich absolut nicht leiden. Nur für das „Amusement“, für Werbezwecke und um Neugier und Fotolust zu befriedigen, die armen Tiere den ganzen Tag über in der Sonne sitzen zu lassen…nee.

Wir sind dann noch zu den 3D-Fernsehern gegangen und haben mit lustigen Brillen auf der Nase geguckt, was das Fernsehen „der Zukunft“ so bietet. Nach zwei Minuten war mir SO speiübel, dass ich dachte, ich muss sofort aufs Klo rennen. Ich riss mir die Brille runter und musste mich an meinem Mann festhalten, weil mir furchtbar schwindelig war. Von diesem Trauma erholte ich mich nur sehr langsam.

Wir waren dann noch bei den Asiaten (Schnäppscher!!!) und ich bekam bei dem USA-Stand einen Sniper für gaaaaaaaaaaaaaanz günstig (Messeneuheit). Das Problem: es war der Allerletzte (nur noch ein Muster hing an der Decke in der Deko) und die vom Stand durften ihn nicht verkaufen. Er war auch am Stand richtig arretiert, damit ihn keiner runter nehmen konnte. Für mich war der aber perfekt. Antirutsch auf der Rückseite, ein schön breiter Bügel, weich, angenehm…und mit super System, damit man die Kamera weder abmachen, noch den Gurt verrutschen muss, um zu fotografieren.

Ich habe ihn dann erkämpft, weil ich erklärt habe, dass ich, als Migränepatientin, auf etwas Gutes angewiesen bin, das ich NICHT um den Hals sondern quer über die Schulter tragen kann, damit ich keine Kopfschmerzen kriege (daher habe ich auch immer noch keinen von den coolen Rucksäcken…) und durfte ihn dann doch erwerben. JUHUUU!!!

Danach gingen wir noch zum Stand der Darmstädter Fototage (vorbei an dem Playmate 2009, wo geschätzte Hunderttausend an männlichen Fotografen „brannten“). Ich durfte meine Karte dort lassen und habe mir eine von ihnen mitgenommen. Mein Mann und unser Kölner Freund wollten dann noch einmal um die ganze Halle „joggen“, um sich einfach mal einen Überblick zu verschaffen, was für Clubs und Anbieter hier sind (es war Halle 2). Unser anderer Freund und ich setzten uns und ruhten uns aus. Mit Schrecken sah ich, dass die Rolltreppe nicht ging…määäh…Treppenlaufen mit diesen Blasen…aua. Naja, war ja noch Zeit.

Plötzlich ein Weinen in ein paar Metern Entfernung. Einer der Ordner beugte sich zu einem kleinen Mädchen von ungefähr sechs Jahren, das schluchzte. Da schlägt ja gleich mein mütterliches Herz und ich näherte mich der Szene. Das Mädel hatte die Mutter und deren Freundin, mit denen sie hier war, aus den Augen verloren und war natürlich am Verzweifeln. Der Ordner wollte, nachdem das Kind mühevoll den Vornamen heraus gebracht hatte, zum Infostand und die Mutter ausrufen lassen, überlegte aber gerade, was er mit dem weinenden Mädchen machen sollte. Ich schnappte mir kurzerhand die Kleine (netterweise fasste sie auch vertrauensvoll die angebotene Hand) und wir blieben alle mit ihr sitzen. Vertrauensbildende Maßnahmen, Trost…was haben wir alle auf sie eingeredet. 😀 Sie beruhigte sich auch und schaute dann brav nach ihrer Mama, als ich ihr sagte, dass sie unbedingt in die Menge gucken muss, um sie nicht zu verpassen. Irgendwann (für ein Kind sicher eine Ewigkeit) schnellte sie hoch, quetschte sich durch die Menge, um am Hosenbein einer jungen Frau zu kleben, die sie wohl schon gesucht hatte. Es war die Freundin der Mutter – puh, alles klar.

Netterweise ging die Rolltreppe dann wieder! Ein kleines Geschenk für unsere Freundlichkeit? 😀

Mittlerweile war es fünf Uhr – und wir hatten einfach keine Lust mehr. Die Technik interessierte mich eh nicht so sonderlich, Mein Mann stellte fest, dass er einfach kein Messegänger ist, weil ihn das Stop and Go total nervt und die Massen an Leuten, Unsere Freunde hatte auch genug, so  trafen wir uns alle, auch die, die in anderen Ecken der Messe unterwegs waren, am Eingang Süd.
Eine Cola vom Colastand in die Hand gedrückt, erreichten wir Sonnenlicht und frische Luft. Ich habe selten so stark aufgeatmet. Dann mussten wir doch noch Treppe laufen, weil sowohl Rolltreppe als auch Fahrstuhl hoch zum Gleis nicht gingen…aber hey, auch das ging dann noch.

Wir waren daraufhin die absoluten Werbeopfer, da wir mit den erhaltenen Burgerking-Gutscheinen wirklich zu einem Burgerking fuhren…nur um dort dann festzustellen, dass wir eigentlich nichts von dem, was auf den Gutscheinen war, wirklich mochten, was dann dazu führte, dass wir doch den vollen Preis bezahlen mussten…nuja. Einmal im halben Jahr Fastfood muss drin sein.

Mein Fazit von der Photokina:

1.    Zu viele Menschen auf einem Haufen sind nix für meinen Mann und mich.
2.    Als Technikschaf ist es sehr ungünstig, eine Messe, die fast nur aus Technik besteht, zu besuchen.
3.    Es war schön, verschiedene neue Gesichter zu sehen!
4.    Auf dem Klo angerufen zu werden, wenn es rundum aus den Kabinen dann laut „TELEFOOOOOOOOOOOOOOOON!!!!“ brüllt, ist nicht angenehm.
5.    Ich möchte gerne ein neues Paar Füße.

Ansonsten war es eine Erfahrung, die man mal gemacht haben sollte… :mrgreen:
(Aber ich denke, ich werde sie in Zukunft nicht mehr machen. 😉 )

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