Von unfreiwilligen Filmstars und LIEBE…

31. August 2008 at 00:08:34 (Allgemein)

Achja, was ein wundervoller Tag.

Häschen hoppeln, Vögelchen singen…ein Rehlein springt…es hat ein rosa Schleifchen um den Hals?? 😮
Ich möchte ein Prinzessinnenkleid anziehen und musicalsingend im sanften Regen durch die Straßen ziehen! Mit vielen Menschen, die sich mir anschließen! Und am Ende…der SCHLUSSCHOR!

Ähm…
Nee, ich bin nicht besoffen.
NEIN, ich bin auch nicht verrückt!
NEIN!! Ich würde doch nie Drogen…also, jetzt reichts mal!

Ich hab gerade „Verwünscht“ geguckt. 😀

Verwünscht ist eine Persiflage auf die ganzen Disney-Zeichentrickfilme, von Disney selbst.
Es geht um ein Mädchen, ihre Liebe zu einem jungen Mann (der sie auch liebt, obwohl sie sich nur einen Tag kennen), seiner bösen Stiefmutter, die die Liebe zerstören will, weil sie erben möchte, einem guten Backenhörnchen, einem erst miesen, dann guten Diener der Stiefmutter…richtig schön plakativ, schubladig und typisch für nen Disneyzeichentrick.

Der Witz: die Stiefmutter stößt das Mädel in einen Brunnen, worauf sie in die wirkliche Welt kommt. Und es ist einfach ZU witzig, wie sie sich da dann so gar nicht zurecht findet, auf einen Mann mit seiner Tochter trifft und in ihrem Disney-Prinzessinnenkauderwelsch alles auf den Kopf stellt. 😀
Die liebste Szene: der Prinz, der ihr nachgeeilt ist, springt theatralisch von einer Brücke und fängt an, sich ans Herz greifend (und herzergreifend) zu singen (wie in Disney-Zeichentrickfilmen ja üblich) und wird von hinten von einer Gruppe Rennradfahrer überrollt, die alle übereinander fallen…ich lache jedes Mal Tränen!

Natürlich verliebt sich die Prinzessin dann doch in den einsamen Vater (ein Tag Liebe reicht dann doch nicht), während sich der Prinz einfach dessen Exfreundin schnappt (juhu, alle sind glücklich – wir wollen doch keine Schwierigkeiten!)…es ist wirklich unglaublich überzogen, aber gerade deshalb so schön, weil eben eine gewisse Selbstkritik mitschwingt. Natürlich kommt auch die böse Stiefmutter nochmal, es gibt Drachen und uuuuuuhuhuhuhuuuuuuuuuuu ….und dann das Happy End. Dieser Film ist ein Muss, weil er so schön bescheuert ist. 😀

Naja, aber heute lag insgesamt Liiiieeeebe in der Luft.

Heute Morgen war es eher Eltern- und Geschwisterliebe, da wir alle beim Frühstückstisch zusammen kamen und mein gebackener Kuchen mundete (nicht zu fassen, meine Mutter hatte nichts dagegen gesagt, dass ich kam und sie damit „überraschte“…). Es war schön, mal wieder in trauter Runde so zusammen zu sitzen, zu mampfen und sich so bisi zu erzählen. Meinen Bruder und seine Freundin sehe ich nur zwei, dreimal im Jahr, weil sie im Berlin wohnen und nicht oft da sind (meine Quasischwägerin war jetzt auch ein Jahr in China) und auch meine Schwester ist viel unterwegs; obwohl sie in der Nähe wohnt, sehen wir uns nicht sooo oft.

Dann kam die Liebe zur Technik…also bei meinem Dad, der uns mit auf unseren Militärflugplatz schleppte, der seit ein paar Wochen von den Amis verlassen ist und wo der 100. Geburtstag dieses Flughafens gefeiert wurde mit alten Flugzeugen und einer Flugschau. Leider konnte ich bei der Flugschau nicht bleiben, so habe ich nur von ein paar stehenden Fliegern recht blöde Bilder machen können (an die Fotografen hatte wohl keiner gedacht, als sie die Flieger eng an eng mit Gittern und allem möglichen Pipapo hinstellten…)

Vom Flugplatz musste ich so früh weg, weil ich heute mal wieder eine Trauung zu spielen hatte.
OH MEIN GOTT.

Die hatten wohl auch Verwünscht gesehen, jedenfalls mutete ihre Kostümierung so an. Der Bräutigam war Mitglied des schlechtesten hiesigen Trötenvereins (Blasmusikverein), welcher natürlich begeistert antanzte und dessen Leiter mir „erklärte“, dass ich wenig zu spielen hätte, weil sie das meiste übernähmen. Och, dachte ich, ist mir wurscht…ich kriege mein Geld, was die dann spielen, ihr Ding. Hatte ich mehr Pause.

Hätte ich das mal nicht gesagt. Es war die reinste Folter. Ich habe noch nie SO schlechte Blasmusik gehört, die haben einfach alles ruiniert…und ich saß oben nebendran an der Orgel und musste meine immer wieder entgleisenden Gesichtszüge einfangen. „Mach, dass es rumgeht!“ betete ich gegen Mitte nur noch flehend…aber nein, die Hochzeit war ewig lang. Neben Blumenkindern, die wie wild mit ihren Blüten herumschmissen – ein Kind wollte nicht, wollte wahrscheinlich die schönen Blüten behalten und fing lauthals an zu kreischen, als die Mutter in sein Körbchen griff, um ihm zu zeigen, was er tun sollte – waren die Gäste auch wie aus dem Film. Die Damen hatten wohl einen internen Wettbewerb gestartet, wer am besten an- bzw eigentlich ausgezogen war, wenn man sich die Stoffprozente auf der Haut so ansah und die Wagen, die draußen parkten, ließen darauf schließen, dass ich durchaus mehr Geld hätte verlangen können!

Hätte ich sowieso können, denn ich mutierte zum Filmstar!
Ein total geschäftiger Typ lief vor der Trauung schon mit vier Stativen und vier Kameras rum, die er in der ganzen Kirche montierte. Ohmann…aufwändiger gehts ja kaum…soll das hier ein Event werden oder was?? Drei hatte er schon postiert…und dann kam er mit der vierten auf die Empore!

„Haben Sie was dagegen, wenn ich sie hier (er zeigte auf die Orgel, also genau vor mich) aufbaue?“
„Ähm…ja, eigentlich schon! Ich möchte nicht die ganze Zeit gefilmt werden.“
„Ach, das schneide ich doch nachher eh raus bzw zusammen!“

Sprachs und war weg. Die Kamera stand nun direkt über mir und blickte bedrohlich auf mich herunter.
Ich war wirklich versucht, ihr einen kleinen Kick zu geben.

Klirr…oupsi….

Das Brautpaar hatte sich einen Rolls Royce gemietet…aber nicht irgendeinen. Ein Teil aus dem frühen 20. Jahrhundert oder so! Das Teil war das wuchtigste, übertrieben prunkvollste, was ich je gesehen habe! Ich denke, man kann es auch übertreiben. Die beiden gaben sich das Jawort vor ungefähr 250 Menschen, die alle geladene Gäste waren, wie man hinterher sah – den schlechtesten Trötenverein NICHT mitgezählt – ich möchte NICHT wissen, was die da an Geld gelassen haben.

Das JA der beiden ging eigentlich unter, weil just in der Zeit der Trauung draußen die nächste Flugshow losging – die Kirche steht direkt neben dem Flugplatz – …joah, das sorgte bei mir dann doch noch für manchen Schmunzler…

„Liebes Brautpaar, wir sind hier zusammengek…….NIIÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄNNNNNNNG…zu feiern. Sie sind in dieser Stunde nicht allei……BRUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUMMMNIÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄNG!!!…..Sie begleiten. Florian. Möchten Sie die hier anwes……………..NIIIIIÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄNNNNNNNNG……..mit Ja. ………NIIIIIIIÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄNG…..ihn lieben, achten ehren, bis dass der Tod euch scheidet? Dann antworten Sie mit Ja. ………NIIIIIIIIIIIÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄNG!!!!….segne euch.“

Wasn Schbass.

Memo an alle Nichtverheirateten:

HEIRATET NIEMALS in der Nähe von Flughäfen, Schrottplätzen oder Fußballstadien! Es kann böse enden…

Wer weiß…vielleicht lässt Florian jetzt die Ehe annulieren:
„Ich habe zwar geantwortet, aber die Frage nicht verstanden!“

😉

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Schenk mir bloß nix!!

30. August 2008 at 01:08:02 (Allgemein)

Kennt ihr das?
Freunde, Eltern oder andere Menschen, die angesichts ihres nahenden Geburtstages sagen:

„Nääääh! Schenk mir bloß nix! Ich will nix, hab alles, brauch nix, ist eh nur Verschwendung.“

Jaha. Aber wehe, du hältst dich dran und es gibt wirklich für die Omma nix zu Weihnachten, während alle anderen reich beschenkt werden. Dicke Flunsch.
„Oma? Was guckste denn so?“
„Ach nix…“

Ach nix. Die absolute Standardphrase, die im Kopf alle 4958397 Alarmklingeln schrillen lässt. Auf einmal.
„Ach nix“ heißt genau so viel wie „mitten ins Herz hast du mich getroffen…ich will auch, dass du das weißt und fürchterlich leidest, dass dein schlechtes Gewissen dir seine faulenden Krallen ins Hirn schlägt, habe es aber, aufgrund deines Intellekts nicht nötig, es auszusprechen.“

Ich bin zB jemand, die immer einen Wunsch parat hat. Irgendwas Kleines gibt es immer, das ich gerne hätte, wie ein Buch, eine DVD, mein Parfum, einen Apfelentkerner oder sonstige Sachen. Größere Dinge spare ich mir immer selbst zusammen. Meine Freunde sagen schon immer: „Hach, es ist immer so leicht, dir was zu schenken! Erstens weißt du auf Anfrage immer was und zweitens babbelst du immer all deine Wünsche gleich aus dir raus, so dass man, wenn man aufpasst, sowieso was für dich hat.“ 😀

Nicht so meine Eltern. Meine Eltern gehören zu der „Achgottachgottkindwirbrauchendochnix“-Generation inzwischen…allerdings HARDCORE!! Hardcore insofern, als dass wir Kinder (meine Geschwister und ich) absolut bei Strafe VERBOTEN bekommen, etwas zu schenken. Das geht soweit, dass, wenn wir doch mal was aufgeschnappt haben, was wir dann einfach an Weihnachten oder zum Geburtstag mitbringen, das eher mit hochgezogenen Augenbrauen begutachtet wird.

Habt ihr eine Ahnung, wie demotivierend das ist??

Ich schenke prinzipiell nicht, weil ich Anerkennung will, weil ich hoffe, dann noch mehr zurück zu bekommen oder aus sonstigen nicht-edlen Gründen. Ich schenke, weil ich mich richtiggehend an der Freude meiner Freunde/Familie ERGÖTZE. Ich liebe es, wenn die Augen strahlen, wenn ich im Jahr aufmerksam war und wirklich eine Freude machen konnte, wenn jemand aufjauchzt und sagt: „Genau das habe ich mir gewünscht!!“ Und wenn dann eine Mutter da sitzt, das Gesicht verzieht…dann ist das für mich wie ein Schlag ins Genick.

Und das Allerschlimmste: meine Mutter gehört zu der Spezies der Hardcore-Nichtgeschenkthabenwollern IN VERBINDUNG mit Flunsch-Nix-Sagern! Sie hasst Muttertag, aber wehe, man ruft an dem Tag nicht an! Aufmerksamkeit will sie dann doch.

Ich habe mir angewöhnt, ihr immer mal durch das Jahr hinweg kleine Aufmerksamkeiten mitzubringen, wie ihre Lieblingspralinen, ein Buch, von dem sie geredet hat, einen Strauß Blumen, wenn mal keine im Haus sind…und das mag sie sehr. Und dadurch habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Ich bekomme keine Flunsch an wirklichen Fest-und-Jubeltagen und sehe die Freude auf ihrem Gesicht, die dann, wenn es kein wirklicher Fest-und-Jubeltag ist, auch wirklich erscheint.

Nunja, morgen ist nun der Geburtstag meiner beiden Eltern. Ja, sie sind gleich alt. Mein Dad ist ungefähr acht Stunden älter als meine Mutter, was ja total witzig ist. Aber schenken: naaaiiiin, bloß nicht!
Ich habe daraufhin mit meinen Geschwistern gesprochen. Mein Bruder ist zufällig mit seiner Freundin aus Berlin für ein paar Tage hier, meine Schwester wohnt eh hier, also ist die ganze Familie beisammen. Wir haben uns also überlegt, da die beiden ja nichts wollen, morgens schön den Tisch zu decken, ich wollte einen Kuchen backen (habe ich auch)…und dann wollten wir einfach ein schönes Familienfrühstück machen. Bisi den Tisch dekorieren…hachja.

Vorhin bekam ich dann eine sms von meiner Schwester:

„Vergiss es! Alles abgeblasen! Mama hat eben gerade gesagt, dass sie BLOSS keinen festlich geschmückten Tisch will! Und bloß keine Bemühungen! Sie will es nicht! Gar nicht!“

Es ist echt immer das Gleiche. Man sollte es ja inzwischen wissen. Aber nein, die Eltern schaffen es immer wieder, einen zu demotivieren…und ich WETTE, wenn ich morgen gegen halb neun mit dem Kuchen erscheine, wird er gerne genommen…

…und innerlich wird ein Häkchen gesetzt…

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Lebens-Ende

28. August 2008 at 13:08:26 (Allgemein)

Ich bin in einer total seltsamen Stimmung…ich wollte eigentlich schon gestern schreiben, aber ich musste das erstmal verdauen…

Ich bekam gestern Nachmittag einen Anruf.

Ziemlich brüchig war eine Männerstimme zu hören:
„Hallo, sind Sie die Sängerin?“
„Ja? Was kann ich für Sie tun?“
„Nun…es ist etwas schwierig…“
„Ähm…versuchen Sie es doch einfach mal?“
„Ich…ich werde sterben.“

Uff. Hart und direkt mitten in den Magen.

„Und ich möchte, dass Sie auf meiner Beerdigung singen. Ich plane meine Beerdigung selbst…“

Ich ließ mir einen Moment Zeit zu antworten, beschloss aber dann, eher geschäftig drauf einzugehen. Wir sprachen dann über die Lieder, die er sich wünscht und wie alles aussehen soll…ich wusste, dass Mitleidsbekundungen sicher falsch am Platz seien und versprach ihm, dass ich da sein würde, um zu spielen und zu singen. Ich ermunterte ihn, das alles zu notieren, damit die Hinterbliebenen auch wüssten, was sie zu tun hätten.

Die Hinterbliebenen…und das sagte ich einem noch Lebenden…

Am Schluss sagte er dann noch:
„Ich melde mich dann, wenn…es…also…“
Und ich sagte betont fröhlich:
„Ich hoffe, DIESER Anruf kommt noch nicht so bald.“
„Ja…ich hoffe es auch….“

Ich legte auf und starrte vor mich hin.
Da ruft ein Mensch mich an, der demnächst stirbt, so dass er seine eigene Beerdigung organisiert… Und ich schwankte zwischen einer seltsamen Trauer (ich kenne den Mann, fiel mir danach ein…er ist ein querschnittsgelähmter Mann unserer Gemeinde – ein SEHR netter.), obwohl ich mit ihm ja nie mehr zu tun hatte und dem Respekt, dass er sich aufrafft und seinen Tod quasi organisiert.

Es war wirklich unheimlich…man hatte fast das Gefühl, mit dem Tod selbst zu reden, so wie er sprach…dabei redete man mit dem Leben. Dieses Leben war zwar schwach, aber es WAR LEBEN… Wie träumerisch er von den beiden Liedern sprach, die er gesungen haben wollte, wie genau er sich alles überlegt hatte… Das ging mir wirklich nahe, bzw brachte mich zum Nachdenken.

Man macht sich irgendwie keine Gedanken über den Tod. Da ich ja nebenjobtechnisch in einem Bestattungsunternehmen als Organistin arbeite, wie meine Stammleser wissen (und jetzt auch alle anderen 😉 ), bin ich da eigentlich schon abgehärtet. Ich habe auch schon scherzhaft mit den Bestattern zusammen Blumen und ein Sargmodell ausgesucht, wir stritten über die Schnitzereien und darüber, ob Rosen oder Sonnenblumen besser zu mir passen…meine Mutter war damals geschockt, als ich ihr das erzählte. Doch das war im Spaß, weil man als Bestatter eh recht derb ist in seinem Humor und ich mich inzwischen dran gewöhnt habe…

Doch hier war das anders. Diese Direktheit „Ich werde sterben“…und das unvorbereitet…das hat mich echt voll erwischt in dem Moment…und man beginnt, sich für sein eigenes Leben zu bedanken. Mein Leben ist so verwirrt und durcheinander, so abgedreht, wundervoll, schrecklich, toll, irre, mannigfaltig…und ich DANKE dafür, dass ich es habe. Und ich hoffe, dass ich es noch eine Weile habe. Das Leben ist was Wundervolles, mit allen Sinnen dieses Leben wahrzunehmen und das beste draus zu machen, ist der Sinn…

Ich habe beschlossen, mein Leben wieder etwas bewusster zu leben. Mich nicht nur vom Job auffressen zu lassen, sondern Dinge zu tun, die mich erfüllen und mir Spaß bereiten.

Und wie ist es mit euch? Tut doch heute mal etwas, das euch Glück beschert, dass euch zeigt, wie schön und lebenswert das Leben ist…etwas, das ihr schon lange machen wolltet, aber an dessen Umsetzung der Alltag euch bisher gehindert hat…irgendwas, wo ihr abends da sitzt, lächelt und sagt: mensch…was ein toller Tag…und was für ein schönes Leben…

…es ist das einzige, was wir haben…

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Freundschaft

27. August 2008 at 01:08:34 (Allgemein)

Taschentücher raus, heute wird es rührig. 😀

Ich habe heute eine Beerdigung spielen müssen, dessen Verstorbener aus der Kirche ausgetreten war, was bedeutet, dass kein Pfarrer die Ansprachen gehalten hat und es auch keine Gebete gab. Es kam ein Freund der Familie, tätig beim Rundfunk, der dieses übernahm. Und dieser Mensch sprach über seinen Freund. Seinen besten Freund. Und ich saß da und musste mir die Tränen verbeißen.

Ich kannte den verstorbenen Mann nicht…aber diese Zuneigung und Liebe, die da aus jedem der Worte des Sprechenden strahlte, war einfach unglaublich. Eine wirkliche Freundschaft war das…über so viele Jahre hinweg…und er sprach über sie…über die schönen und die schlechten Seiten…und ich war so sehr gerührt, dass mich das gar nicht mehr los ließ. Daraufhin möchte ich heute einfach mal meine absolut engsten Freunde durchgehen…und mich bei ihnen für ihre wirklich zT schon langjährige Freundschaft bedanken. Ich kann es natürlich nur grob tun, weil ihr sonst einschlaft beim Lesen…aber ich möchte es überhaupt tun…mich gedanklich mit ihnen beschäftigen.

Die Reihenfolge sollte dabei nicht unbedingt beachtet werden, ich schreibe, wie es mir einfällt.

Mein Mann.

Gut, da ist die Reihenfolge schon etwas wichtig. 😉
Wir haben uns 1995 kennen gelernt (in Paris!) und sind erst 1999 zusammen gekommen, weil ich ja meinte, vorher unbedingt einen anderen Kerl zu brauchen…mein Mann wartete einfach geduldig, bis ich verstanden hatte, wo ich hingehörte. Wir haben SO viel durchgemacht…Höhen und Tiefen…es ist eine schwierige Beziehung, weil wir altersmäßig weit auseinander sind und auch interessenstechnisch recht unterschiedlich liegen, aber wir haben immer wieder gezeigt, dass wir den Willen haben, es zu meistern. Und dazu gehört auch, dass man sich in den schwierigen Zeiten wieder die Hand reicht, egal, was vorgefallen ist. Ich kann mich auf ihn verlassen und ich möchte mich bei ihm herzlich bedanken, dass er mich mit allen meinen Marotten will. Er ist ein aufmerksamer Ehemann, stets auf mein Wohl bedacht, hat natürlich seine Eigenheiten, aber seine Intelligenz und Sensibilität machen ihn zu etwas Besonderem. DANKE, dass ich ihn habe.

Wie mache ich nun weiter…? Ah, erstmal die Mädels.

Sylvia.

Sylvia ist seit 1997 in meinem Leben dabei, eine Studienfreundin, Bratschistin, Mutter meines Patenkindes und seit Jahren wirklich JA zu mir sagend. Sylvia und ich sind unglaublich verschieden. Sie ist grundsätzlich misstrauisch, recht bemessend und öffnet ihr Herz nur sehr langsam, während ich immer strahlend auf alles zustolpere und schnell Leute „einlasse“, die ich mag. Ich kassierte zB anfangs eine totale Abfuhr von ihr. Sie stand weinend im Flur der Uni und ich war neu (sie ein Semester drüber)…eine Kommilitonin (auch schon länger da) tröstete sie und ich war bestürzt, weil ich sie mochte und fragte, was denn sei und ob ich helfen könne. Sie schaute mich daraufhin groß an und meinte:“
„Öhm…dafür kennen wir uns noch zu wenig.“

Das war für mich damals voll der Schock! 😀 Mit so einer Antwort hatte ich nicht gerechnet, aber ich nahm Abstand und ließ die Dinge auf mich zukommen. Nach und nach kam sie mir näher, merkte wohl, dass die Chemie irgendwie stimmte…und ich war behutsam…Stückchen für Stückchen mich einbringend…bis sie eines Abends meinte:
„Du bist mir eine richtige Freundin geworden…“
Das war ein schöner Tag.
Sylvia ist ein ruhender Pol in meinem Leben. Eine große Konstante. Ich weiß, selbst, wenn wir wochenlang keinen Kontakt haben (was aber selten passiert, wir sind eigentlich immer einmal die Woche irgendwo zusammen oder telefonieren wenigstens), ist sie fest an meinem Leben beteiligt. Ich weiß, dass ich sie nie verlieren werde, es sei denn, das Schicksal nimmt sie mir…daran will ich aber gar nicht denken. Und sie kann auch sicher sein, dass, egal, was es ist, sie immer zu mir kommen kann, was sie auch schon oft in Anspruch nahm.

Ma.

Ma ist eine Frau, die sich vor allem durch ihren starken Willen und ihre Aufopferung auszeichnet. Wenn mich einer fragen würde: „welcher deiner Freunde würde am ehesten für dich sterben, wenn du bedroht würdest?“, dann würde ich sie nennen. Nein, ich möchte das niemals ausprobieren, aber ihre Haltung mir gegenüber ist so treu, dass ich es mir vorstellen kann. Ma und ich teilen nicht viele gemeinsame Interessen, aber wir haben ein starkes inneres Band. Kennen gelernt haben wir uns 2005 in einem Internetforum und haben quasi nach einer Weile unsere Seelen miteinander verbunden durch gewisse Gespräche und Fakten, die ich hier nicht nennen möchte. Nach einer Weile haben wir uns auch dann das erste Mal getroffen. Weitere Male sind gefolgt. Fakt ist aber, dass ich kommen kann, mit was ich will, sie ist IMMER da für mich. Sie findet immer Zeit, auch wenn es ihr nicht so gut geht…und sie kann unglaublich gut zuhören. Auch wenn sie mir immer wieder sagt, dass ich schon viel für sie getan habe….sie hat das locker überboten. Ich habe sie einfach lieb!

Martina.

Martina kenne ich schon, seit ich 13 bin. Sie ist jetzt Gymnasiallehrerin für Musik und Erdkunde. Wir sind zusammen auf Freizeiten gefahren und waren sehr lange sehr oberflächlich befreundet. Sie war ziemlich flippig und hat immer ziemlich viel Mist geredet…oberflächlich etcpp. So schätzte ich sie immer ein und war eher locker mit ihr befreundet. Bis dann irgendwann der Knall kam, ein Tag, an dem sie mir vorwarf, mehr für unsere Freundschaft zu tun als ich. Ich war total baff, denn ich wusste nicht, dass sie das so wichtig nimmt….da waren wir Mitte 20. Wir haben ein sehr langes Gespräch geführt…und dann versprach ich, mir das mal zu Herzen zu nehmen. Und ich lernte Martina völlig neu kennen. Und ich muss sagen, dass sie eine sehr loyale Freundin ist, die mich unterstützt, die mit Rat und Tat in schweren Zeiten an meiner Seite war…und deren wichtigstes Geheimnis ich kenne…und sie das meine.

Sylvi.

Sie kenne ich jetzt seit gut einem Jahr. Kennen gelernt in meinem Fotoforum, ist sie mir Vorbild im Bereich Fotografie und einfach eine unglaublich liebe Person. Wir haben festgestellt, dass wir uns recht ähnlich sind in vielen Dingen, oft dasselbe denken und über dasselbe lachen. Sie ist zwar ein Stück älter als ich, aber sie hat einen festen Platz in meinem Herzen. Sie sagt mir auch mal Dinge, die unangenehm sind, aber nicht unbedingt falsch. Sie rät mir oft, ich fühle mich bei ihr gut aufgehoben. Zudem teilen wir natürlich eine Passion, das Fotografieren. Ich bin manchmal erstaunt, in welch kurzer Zeit man mit jemandem so richtig eng werden kann. Sylvi und ich sind aufeinander zugelaufen…und einfach aneinander kleben geblieben. 😉 Ich habe sie sehr lieb.

Sodele…nun die Kerle.

Jannis.

Mein bester Freund in allen Lebenslagen. Er ist ein Jahr älter als ich, hat mit mir studiert, ist Opernsänger und hat ein riesiges Herz aus Gold. Er schafft es immer wieder, mit seiner guten Laune und dem Sonnenschein in seinem Herzen alles ins Schöne zu verwandeln. Bis vor kurzem hatte er noch ein recht sorgloses Gemüt…jetzt fängt er an, sich mit Philosophie zu beschäftigen, was ich total interessant finde, da es für uns dadurch wesentlich mehr Gesprächsthemen gibt. Er stellt sich Fragen, die ich mir schon vor langem stellte und wir können uns gut darüber unterhalten.

Jannis kennt meine Schwächen und Fehler und steht trotzdem zu mir mit einer Treue seit 1997. Wir kennen uns eigentlich schon seit 1993, aber das war nur flüchtig und ich bin dann erstmal zum Studieren weg gewesen. Jannis sehe ich normalerweise bis zu dreimal die Woche. Auch wenn ich mit ihm niemals über eine Beziehung nachgedacht habe (weil es einfach nicht geklappt hätte), weiß ich ihn gerne an meiner Seite und bin stolz, seine beste Freundin sein zu dürfen. Er bildet mit Sylvia und mir eine feste Gruppe…dazu gehört noch

Rolf.

Rolf ist Gitarrist, ein verträumter, grünäugiger Mann und für mich einer der wichtigsten Bezugspersonen, wenn es um das Gedankenschweifen geht. Manchmal sitzen wir stundenlang einfach da und lassen unseren Köpfen Raum. Wir musizieren auch oft miteinander. Gitarre und Gesang. Auch er gehört zu den 1997ern…es war ein gutes Jahr. 😉 Rolf trinkt gerne mit meinem Mann mal ein Glas Wein (zuviel), weshalb ich ihn dann bei uns ins Gästezimmer-Bett verfrachte. Eigentlich mag ich es nicht, wenn die beiden fast zwei Flaschen leeren, schimpfe auch wirklich…aber dann hab ich Rolf noch zum Frühstück da…was dann immer sehr schön ist. Wir profitieren beide von unserer Sensibilität und wären damals fast zusammen gezogen. 😀

André (Jonny).

Je nachdem, aus welchem Forum man ihn kennt, ist er André oder Jonny. 😉
Ihn kenne ich jetzt fast so lange wie Ma…und uns verbindet eine tief empfundene Freundschaft. Auch er fotografiert und ich schleppte ihn in das Fotoforum dazu. Wenn ich in Berlin bin, haben wir immer eine sehr schöne Zeit. Auch wenn er nicht wirklich ein Vielreder ist, ist er hundertpro loyal und ich weiß, dass ich mir seiner Zuneigung immer sicher sein kann. Trotz seiner jüngeren Jahre (10 Jahre Unterschied), ist er nicht so oberflächlich wie viele junge Leute, sondern ernsthaft und einfach ein sehr treuer Freund, durch alle Schwierigkeiten hindurch, die wir schon hatten. Ich habe ihm mal sehr weh getan…und ich danke ihm wirklich, dass er sich da durchgeboxt hat für die Freundschaft. Er ist mir sehr wichtig. Und wird es immer sein. Da er wie Ma in Berlin wohnt, sehe ich ihn nur ab und an, aber dann sind die Treffen immer sehr innig. =)

Tom.

Tom ist ein recht neuer Freund. Ihn kenne ich erst seit ein paar Monaten, ebenfalls aus dem Fotoforum. Da er aber in meiner Nähe wohnt, haben wir schon ein paar Mal was unternommen. Diese Freundschaft ist noch im Wachstum, aber ich genieße es, dass es ihn gibt und dass er Interesse an einer Freundschaft zu mir hat. Wir lernen uns langsam besser kennen, erforschen unseren Geist und freuen uns über unsere Fototouren, die, die schon waren und die, die es noch geben wird. Ich merke, dass ich ihn sehr in mein Herz geschlossen habe und mich freuen würde, wenn wir gemeinsam „alt werden“ als Freunde.

Jan.

Habe ich auch im Net kennen gelernt und er zog zufällig in meine Stadt! Jan ist jemand, der Freundschaft nicht wirklich definiert, also nicht sagt: Dana ist meine Freundin, sondern es eher durch seine Taten zeigt, indem er sich bei mir Rat holt, zu mir sehr ehrlich ist, eine Nacht aufbleibt, obwohl er krank ist, weil es mir schlecht geht und so weiter. Er ist kein Freund, den ich oft sehe, aber wir haben eigentlich oft durch irgendwelche Medien Kontakt, wissen, was der andere macht und sind interessiert am Leben des anderen. Ich weiß, dass Jan zuhört. Und zwar nicht nur oberflächlich, sondern wirklich bis ins Detail. Das erkenne ich an seinen Ratschlägen und seinen fundierten Meinungen, bei denen er sich auch Zeit nimmt und Zeit lässt. Genauso sucht er aber auch meine Hilfe, wenn er bei etwas nicht weiter kommt oder lässt mich an seiner Freude teilhaben.

Weitere wichtige Personen sind für mich Moni, die schrille, verrückte Motte, Wolfgang mit seinem sonnigen, unkomplizierten Gemüt, Patrick mit seiner hohen Loyalität, Ralf P., dessen Tochter noch nicht genau weiß, ob sie auf mich eifersüchtig sein sollte …und Rob. Rob ist sogar sehr wichtig…die Frage ist nur, ob er das weiß…

Naja…kann sein, dass euch das heute nicht sooo interessiert…aber für mich war es schön, mal revuepassieren zu lassen…und ich freue mich. Freue mich, dass ich wirklich ein paar Freunde habe, für die ich wichtig und unersetzbar bin. Sie sind es auch für mich…

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Wer am lautesten brüllt …

25. August 2008 at 01:08:56 (Allgemein)

Meine Güte, Leute, was ein Sonntag.

Heute war Sinfoniekonzert, eine kleine Fototour, eine Taufe, die ich spielen und singen musste, und ein Treffen mit meiner Freundin Sylvia (vorsicht, nicht Sylvi!) angesagt. Blöd, dass beide Freundinnen von mir Sylvia heißen, aber ich denk nicht dran, auch nur eine davon abzugeben. 😉

Das größte Problem: ich hatte die Taufe irgendwie zeitlich gen 16.00h gesetzt. Also so innerlich. Mein Hirn schrieb es irgendwo auf einen Post-it und klebte es an meinen innerlichen Kühlschrank. Ich mag es gar nicht, wenn mein Hirn sowas tut. Das gibt meist dann nur große Probleme oder wirklich Stress für mich. So auch heute.

Da mein Mann Tennis spielen musste (Medenrunde), war seine Abokarte fürs Sinfoniekonzert frei, das heute Morgen um elf war. Ich fragte daraufhin Rolf, einen meiner besten Freunde, ob er gerne mitgehen möchte, was er natürlich begeistert zusagte. Tja…und dann lief mir mein Kalender über den Weg und ich beschloss, doch mal einen Blick hinein zu werfen…die Taufe war…UM EINS!!!???? So ein verdammter Mist!! Gottseidank hatte ich noch in den Kalender geschaut, meine Güte…das wäre voll nach hinten los gegangen. Dana um vier mutterseelenalleine in der Kirche…und alle Taufgäste furchtbar sauer. Autsch…

Das Problem nun: das Sinfoniekonzert ging bis eins! Au weia…

Ich rief also Rolf an und sagte ihm, dass ich in der Pause gehen müsse und ob er dann den Rest sich alleine anschauen würde. Er überlegte eine Weile und meinte, er wäre ja schon groß und würde das hinkriegen. So sagte ich das Konzert nicht ab (also…meine Teilnahme daran^^), sondern traf mich mit ihm kurz vor elf im Theater. Das Konzertprogramm war super. Besonders auf Rachmaninows 4. Klavierkonzert freute ich mich und war unglaublich froh, dass es in der ersten Hälfte des Konzertes zu hören war. Der Pianist war erste Sahne.

Dann, in der Pause, fuhr ich los, Richtung Kirche. Ich hatte die Wahl zwischen „viel zu früh da sein, weil in der Pause gegangen“ und „zeitlich richtig kommen, weil einfach mitten im Stück aufgesprungen, von der Mitte aus im Dunkeln aus der Reihe hinausgedrängt und zwanzig Leute zum Aufstehen gezwungen“. Als wohlerzogene Musikerin und Menschenfreundin wählte ich erstere Lösung und stand dann fast eine Stunde zu früh an der Kirche. Und nun?

Naja, ich hatte meine Kamera mitgenommen und ging noch eine Weile in den angrenzenden Park fotografieren. Es lohnte sich bedingt. Ich schoss ein paar Detailaufnahmen, sah einer Wespe zu, wie sie gerade versuchte, einen faulenden Apfel aus dem Brunnen zu fischen – sie muss an absolutem Größenwahnsinn gelitten haben… – und ging dann, als die Turmuhr viertel vor eins schlug, in die Kirche.

Dort sprach ich mit dem Pfarrer (fremde Kirche, fremder, aber netter Pfarrer), baute dessen E-Piano auf und wartete auf die Dinge, die da kommen sollten. Sie kamen dann…oder auch nicht. Es waren zwei Täuflinge, von der einen „Partei“ war ich gebucht worden….aber von denen war keiner da! Ich wunderte mich schon etwas, blieb aber erstmal locker. Dann saß die komplette Familie der anderen Partei dort und wartete. „Meine“ Partei…komplett abwesend. Ich wurde nervös, da es 12.58h war…und dann kamen sie endlich. Im Gepäck ein recht süßes, aber unwilliges Kind.

„Sie is krank und ich hab sie schnell noch gestillt…“

Nuja, das hatte sich sicher nicht anders timen lassen. Ohmann.

Die Taufe ging los. Fünf Minuten war alles bestens. Dann fing klein Kranky an zu brüllen. Tja. Stillen hatte wohl nichts genützt. Sie ließ sich nicht beruhigen, egal, was die Leute taten. In der Kirche waren ungefähr fünf bis sieben Babies. Zwei Täuflinge und dann halt noch Kinder der Verwandtschaft im gleichen Alter. Nunja. Auf jeden Fall merkten die anderen Winzlinge, dass einer ihrer Sorte Partyalarm gegeben hatte. Juhu, yeeeehaw! Und nach dem Motto „dabei sein ist alles!“, stimmten sie mehr oder weniger harmonisch mit ein. Sieben brüllende Kleinstkinder in einer Kirche mit fünf Sekunden Nachhall…joah, hat was.

Der Pfarrer war sichtlich verzweifelt, ließ sich aber nicht von seinen Predigtworten, die eh keiner verstand, weil das Gebrüll viel zu laut war, ablenken. Die Mütter standen der Reihe nach auf und versuchten, ihre kleinen Brüllaffen zu beruhigen. Und da konnte man gut sehen, wie unterschiedlich Mütter reagieren…und erziehen.

Die erste Mutter stand auf und ging herum. Kind brüllte. Mutter ging zurück. Kind hatte nun den Blick auf die Kirchenfenster, machte weit die Augen auf, guckte interessiert und war ruhig. Mutter, erleichtert, setzte sich wieder. Kind, den Fenstern entraubt, da nun in die andere Richtung guckend, brüllte wieder los. Die Mutter stand verzweifelt wieder auf, ging wieder eine Runde. Kind wieder ruhig, Mutter wieder zurück in die Bank. Nach dem sechsten Mal fragte ich mich dann, ob sie Scheuklappen aufhabe oder einfach nicht die intellektuellen Möglichkeiten besaß, einmal zu schauen, WAS ihr Kind denn da vom Schreien abhielt. Naja, nichts für ungut.

Die zweite Mutter gab das Kind ihrem Mann.

Die dritte Mutter (die zweite Taufmutter) schuckelte ihr schreiendes Baby erst, dann legte sie es genervt in ihrem Arm, schob sich den Pullover hoch, entblößte vor dem Pfarrer, der daraufhin in seiner Predigt doch kurz stockte, die Brust und fütterte ihr Kind, das aber immer wieder ausspuckte, die Mutter voll, weiter brüllte, so dass das Spiel „Kind anlegen, Kind brüllt, Kind hochnehmen, BH wieder zu, Kind brüllt weiter, BH wieder auf, Kind anlegen, Kind brüllt“ eine ganze Weile ging. Dumm dann, dass, als das Kind endlich ruhig trank, der Pfarrer sagte: „Und nun bezeichne ich euch mit dem Kreuzzeichen“…joah…Mutter panisch schnell den BH wieder zu, Kind hoch…Pfarrer bezeichnete das laut schreiende Baby mit dem Kreuz, BH wieder auf, Kind wieder dran…

Ich saß echt da und musste mich SO beherrschen, nicht laut loszulachen. Es war wie im Film.

Die anderen Mütter bekamen ihre Kinder dann irgendwie ruhig. Die BH-Nummer hatte mich von den restlichen Brülldramen abgelenkt, so hatte ich nicht mitbekommen, wie sie es geschafft hatten, aber es war endlich wieder etwas mehr Ruhe. Nur Kind 1 brüllte noch, weil die Mutter sich eben mal wieder gesetzt hatte…ihr wisst ja noch: Kirchenfenster adé.

Ich war SO froh, als diese Taufe rum war…der Pfarrer wischte sich dann auch den (Angst-?)schweiß von der Stirn. Ich hievte mit ihm noch das E-Piano zurück und musste meine Telefonnummer da lassen. NEIN, er wollte mich nicht zu einem stimmungsvollen Abendessen einladen, er wollte mich ab und an buchen.

…ok, das klingt jetzt auch verwerflich…

Ich meinte als ORGANISTIN, herrgott. Oder als Sängerin. Ich freue mich immer, wenn ich neue „Connections“ aufbaue, da springt dann meist wirklich was bei raus. Tut alles der Bekanntheit gut und bringt Geld in die Kasse.

Danach ging ich noch bissl weiter fotografieren und fuhr dann nochmals an das neue Darmstadtium in Darmstadt, das ich letztens mal nachts besucht hatte und es nun auch tagsüber mal ablichten wollte.

Hier ein Ergebnis davon:

Ok, die Farben sind etwas anders, aber ich bin gerade so am Rumspielen an allen Reglern, die ich so finde…und momentan mag ich es, die Farben zu entsättigen und fast monochrom zu arbeiten.

Das Darmstadtium ist ein Wettbewerbs-Sieger-Bau. Es ging darum, ein großes Kongresszentrum zu entwerfen, die alte Stadtmauer aber zu integrieren, weil sie – denkmalgeschützt – nicht abgerissen werden durfte. Und SO sah dann der Gewinner die Zukunft. Ist schon ganz nett.

Abends war ich dann mit meiner Freundin und meinem kleinen Patenkindchen unterwegs. Die ist SO süß. Das ist echt klasse mit den beiden. Später habe ich mir dann fast noch den Arm abgebrochen, als ich die Kleine dann durch die ganze Stadt geschleppt habe, weil sie nicht in den Wagen wollte, sondern auf den Arm und Sylvia entnervt NEIN gesagt hatte…die Brüllerei heute Mittag hatte mir aber gereicht, so fragte ich, ob ich sie nehmen sollte.

„Achteinhalb Kilo durch die ganze Stadt? Und zwar ZAPPELNDE achteinhalb Kilo?“
„Ähm…ja, klar?“
„Na, dann los…“

Ich bereute es nach den ersten dreihundert Metern. Die Kleine war natürlich total happy, dass sie auf meinem Arm durch die Stadt getragen wurde und wackelte begeistert krähend mit Armen und Beinen…Ich war nahezu tot, als wir am Auto angekommen waren.

Aber insgesamt war der Tag sehr lustig und schön. =)

Morgen dann wieder Unterricht…määäääääääh….ich hab sowas von keine Lust…

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